Web 2.0 und Unternehmen
Das gesamte Dokument als PDF-Datei zum Download: was_ist_web_2_0.pdf (24 Seiten, 124 KB)
Web 2.0 ist in aller Munde. Es herrscht fast schon wieder Goldgräberstimmung wie zum Beginn des Internets. Kaum ein Tag, an dem nicht neue Startups mit ihren Communities ins Internet drängen. Und nachdem einige der frühen Plattformen zu enormen Preisen von den Großen der Branchen aufgekauft wurden schiessen die Investoren mit Risikokapital entsprechend nach. Kein Zweifel, viele dieser Social Communities werden wieder verschwinden. Die einen sang- und klanglos, andere dafür mit Pauken und Trompeten.
In dem schon mehrfach angesprochenen Buch Wikinomics gehen Tapscott und Williams (Tapscott und Williams, 2006) allerdings einen großen Schritt weiter. Nach deren Meinung wird sich die Geschäftswelt extrem verändern. Überleben wird dabei nur, wer in Lage ist, über das Internet zu kollaborieren. Denn Firmen, die sich dieser Entwicklung entziehen möchten, werden mit der Geschwindigkeit, zum Beispiel in der Produktentwicklung, nicht mehr mithalten können. Eine interne Entwicklungsabteilung wird einfach nicht mehr schnell genug Ideen hervorbringen und umsetzen können, wie nach Tapscott und Williams dies der große Pool an Ressourcen beitet, der über das Internet vernetzt arbeitet.
Bevor man aber zuweit in Zukunft schaut, ist die Frage dann doch, was haben „normale“ Firmen aktuell von Web 2.0. Wie können sie es nutzen? Wie müssen sie damit umgehen? Tatsache ist, dass Web 2.0 schon heute einen enormen Einfluss auf die Firmenkommunikation hat.
Bisher fand diese wohl gesteuert von einer zentralen Instanz innerhalb der Firma statt. Es zeigt sich mehr und mehr, dass dies nicht so bleiben wird. Welche Informationen über eine Firma in Umlauf geraten ist kaum mehr in der Verantwortung einer zentralen Unternehmenskommunikation. Die verzweifelten Versuche, die CEO’s einiger Firmen über Wikipedia in einem (oft zu) positivem Licht darstellen, geisterten eine Zeit lang durch Presse. Den Kunden, Journalisten, Analysten und nicht zuletzt die eigenen, vielleicht sogar frustrierten Mitarbeiter stehen mit Web 2.0 vielfältige Wege offen, Informationen über Firmen zu streuen. Jeder Firma sei angeraten, vorab eine Strategie zu enwerfen, mit der auf solche Berichte – ob wahr oder unwahr – zu reagieren ist.
Demgegenüber enfalten sich zahlreiche neue Geschäftsmodelle, die alleine darauf beruhen, dass man über das Internet Menschen zusammenbringen kann, die ein gleiches oder zumindest ähnliches Ziel verfolgen. Beispiele wurden bereits zahlreich genannt.
Web 2.0 und Marketing
Was bedeutet Web 2.0 für das Internetmarketing? Letztendlich ist Web 2.0 nichts anderes als die gute alte â€Mund zu Mund Propagandaâ€. Allerdings mit einem ungeheueren Potential – als Chance und als Risiko. Dabei ist egal, ob Firmen aktiv Web2.0 nutzen möchten oder nicht, sie müssen in Zukunft damit umgehen können.
Wer gute Produkte anzubieten hat, kann den Prozess dieser Marketingform mithilfe des Internet starten bzw. beschleunigen. Läuft der Prozess, verselbstständigt er sich und ist kaum mehr zu steuern.
Wer die Internetnutzer also unterschätzt und glaubt, diese übertölpeln zu können, läuft Gefahr, von seinen eigenen Aktivitäten wieder eingeholt zu werden. Für Quick-Wins scheint die Rechnung aufzugehen, wer nachhaltig wirtschaften möchte, sollte diese Technologien vorsichtig und bewußt einsetzen.
Klar ist auch: Wer denkt, schnell mal einen (Corporate-) Blog aufsetzen und dort ab und zu einige Zeilen Text zu posten, das reicht nicht aus. Technisch sind viele Web2.0-Anwendungen schnell erstellt, die Inhalte sind das Problem. Bieten diese keinen echten Mehrwert für die Surfer, werden sie zum Ladenhüter.
Als kurzes Fazit lässt sich daher folgender Schluss ziehen: Bisher galt, wer einen Kunden verprellt, muss 10 andere dafür zufriedenstellen, um den Schaden wieder gut zu machen. In Zeiten vom Web2.0 dürften aus diesen 10 wohl 100 oder sogar 1000 Kunden werden. Aus Kundensicht eine positive Entwicklung, für die Firmen eine große Herausforderung.
Die Entscheidung, sich mit seiner Firma dem Internet – bzw. den das Internet nutzenden Menschen – zu öffnen, setzt einige Dinge voraus. Ohne eine entsprechenden offene und transparente Firmenkultur wird jedes Engagement im Web 2.0 bestenfalls ein Rohrkrepierer, schlimmstenfalls ein Desaster.
Gibt es Bedrohungen für das Web 2.0?
Mehrere Quellen berichteten mit der Initiative der US-Musikindustrie zur Einführung von Filtern, die urheberrechtlich geschützte Dateien blocken, begänne das Ende des Mit-Mach-Internets. Das mag stimmen, wer Web 2.0 auf Tauschbörsen reduziert und die Chancen nicht sieht, die Web 2.0-Technologien bieten. User Generated Content bedeutet, vom User produzierter Inhalt und nicht vom User verteilter Inhalt. Meiner Ansicht nach wird das eher als Beginn des echten Web 2.0 zu werten sein, da Menschen mehr und mehr dazu übergehen, tatsächlich selbst Dinge zu produzieren. Daher wird die Initiative der Medienindustrie eher das Gegenteil berwirken und diesen Prozess noch verstärken. Unterstützt wird das noch durch die Einführung der Creative Commons-Lizenzen.
Ich sehe eine andere Bedrohung: die großen Kabelbetreiber müssen seit Jahren mit Ansehen, wie im Internet mit Inhalten zunehmend Geschäft gemacht wird. Geschäft, glaubt man der Aussage einzelner Firmen, das an ihnen vorbeigeht und an dem sie gerne teilhaben möchten. Die Idee ist nun: Wer mehr bezahlt bekommt das schnellere Netz. Das würde für für die Millionen privater Blog-, Foren- und Podcastproduzenten bedeuten, dass sie sich hinter den zahlungskräftigen Medienriesen einreihen müssten. Für eine postive Entwicklng des Internets ein großes Risiko.