Der Einzelne

Web 2.0 und der Einzelne

 

 

Das gesamte Dokument als PDF-Datei zum Download: was_ist_web_2_0.pdf (24 Seiten, 124 KB)

Web 2.0 eignet sich hervorragend zur Selbstvermarktung - und zur Selbstzerstörung. Die Hemmschwelle, private Dinge einer scheinbar anonymen Masse an Menschen – auch Community genannt - anzuvertrauen, ist erstaunlich niedrig. Dabei ist die Geschichte von einem Franzosen noch als nette Anekdote zu werten: Er veröffentlichte auf Youtube.com (http://www.youtube.com) ein selbgedrehtes Video. Es zeigt ihn, wie er mit Tempo 225 eine Strasse entlang rast, bei der ein Temolimit von 110 km/h gilt. Diese Heldentat brachte ihm im Nachhinein eine Anzeige ein - mit seinem eigenen Video als Beweißmittel (“Dumm gelaufen”, brand eins, Heft 08, 2007)

Drastischer werden die Fälle, bei denen sich Menschen selbst, oder andere via Internet den Ruf zerstören oder die Zukunft verbauen. Der angerichtete Schaden ist kaum mehr zu reparieren, das Internet vergisst nicht! Ganz traurig sind dabei die immer öfter in den Medien auftauchenden Geschichten über (meist) Männer, die intimste Bilder oder Videos ihrer Exfreundin oder -gattin im Netz veröffentlichen. Die Verbreitung dieser Daten ist nicht mehr zu stoppen. Hier funktioniert “virales Marketing” perfekt.

Es geht aber auch andersherum: das Internet ist ein wunderbares Medium, sich selbst zu vermarkten. Hilfsmittel sind dabei neben der eigenen Website (Web1.0) oder Diskussionsforen zum Beispiel Plattformen wie Xing (http://www.xing.com) oder LinkedIn (http://www.linkedin.com). Dort kann man sich mit einfachen Mitteln, also der Erstellung eines eigenen Profils als Experte für jedes beliebige Gebiet anpreisen. Ob das alles immer alles so stimmt, was da über einzelne Mitglieder zu lesen ist, sei dahingestellt.

Um Schaden abzuwenden bzw. Nutzen aus dem Internet, insbesondere Web2.0 zu ziehen, ist allerdings eines gefordert, die sogenannte Medienkompetenz. Es geht dabei um den Umgang mit einem Medium, welches einem mit geringem Aufwand ein weltweites Publikum eröffnet. Zugegeben, dass meiste von dem, was da so veröffentlicht wird, geht im allgemeinen Grundrauschen unter, aber viele Dinge, wie z.B. die oben erwähnten Bilder und Filmchen der Verflossenen, finden ihren Weg.

Wo soll sie aber herkommen, die Medienkompetenz? Vor allem, wie nutzt man sie für sich im positiven Sinne? Denn wer die Mechanismen versteht hat ein starkes Werkzeug für Marketing und Vertrieb zur Hand. Die Diskussion, ob im Falle von Kindern oder Jugendlichen die Schule oder die Eltern dafür zu sorgen haben, möchte ich an dieser Stelle nicht führen. Grundsätzlich kann aber gelten, was man normalerweise dem Nachbarn nicht erzählt, sollte man auch nicht im Internet veröffentlichen.

In eigener Sache

Wie kann man das Internet aber für sich nutzen? Die bisherige - und auch weiterhin nicht überflüssige - Form besteht aus einer eigenen Website. Nicht nur große Unternehmen, sondern zahlreiche kleine Firmen und Freiberufler nutzen ihre Website um sich mehr oder weniger erfolgreich im Internet zu präsentieren.

Die einfachste Form der Selbstvermarktung ist natürlich die Teilnahme an den bekannten Business-Netzwerken. Kaum jemand, der nicht sein Profil in Xing (http://www.xing.com) oder LinkedIn (http://www.linkedin.com) veröffentlicht hat. Dort präsentieren sich nicht nur Freiberufler oder Unternehmer, sondern inzwischen auch zahlreiche Angestellte.

Weiterhin können viele der schon genannten Plattformen zur Präsentation von Interessens- oder Berufsgebieten genutzt werden. Das reicht von der Teilnahmen an Wikipedia, indem man Artikel einstellt oder bearbeitet, bis hin zum eigenen Blog, Podcast oder Videocast. Viele der privat erstellenten Medien sind von erstaunlich hoher Qualität, technisch wie inhaltlich.

Um ein anderes sehr erfolgreiches Beispiel zu nennen: im Jahr 2005 startete Cornelius Fichtner mit seinem Podcast zum Thema Projektmanagment (http://www.thepmpodcast.com/). Mit diesem wirklich sehr guten Podcast hat sich Fichtner inzwischen eine große Fan-Gemeinde aufgebaut und sich natürlich seine Reputation als Experte für Projektmanagement geschaffen. Dabei ist dieser Podcast nicht nur für Projekmanager interessant, sondern für alle, die einen themenbezogenen Podcast planen. Ein anderes erfolgreiches Beispiel sind die Word Nerds: drei Sprachlehrer aus den USA, die einen Podcast über die Englische Sprache herausbringen und damit scherlich weltweite Bekanntheit erreicht haben dürften (http://www.thewordnerds.org). Und noch ein Beispiel: Der Podcast über digitale Fotografie von Chris Marquardt (http://www.tipsfromthetopfloor.com/ und http://www.happyshooting.de/). Jetzt reichts aber!

Inzwischen kann man den Aufbau seiner Online-Reputation auch in professionelle Hände legen, das nennt sich dann Reputations-Management: MyOnId (http://www.myonid.de/). Ob sich hier ein völlig neues Geschäftsfeld für die Zukunft auftut?

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