Web 2.0

Was ist Web 2.0?

Oder:
”The Good, the Bad and the Ugly” *
Version 1.0

 

Thomas Schmidt
www.virtual-commerce.de
Januar 2008

 

 

 

(* Original Filmtitel von “Zwei glorreiche Halunken“ von Sergio Leone, 1966)

 

 

Das gesamte Dokument als PDF-Datei zum Download: was_ist_web_2_0.pdf (24 Seiten, 124 KB)

 

 

Einleitung

Wer sich heutzutage mit Marketing und Verkaufsförderung im Internet beschäftigt kommt um einen Begriff nicht herum: Web2.0. Aber was bedeutet Web2.0 eigentlich? Welchen Nutzen können können Firmen daraus ziehen? Wie sieht es mit möglichen Risiken aus?

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Thema und je mehr ich zu diesem Thema recherchiere drängt sich mir der englische Originaltitel von Sergio Leone’s ”Zwei glorreiche Halunken” auf: ”The Good, the Bad and the Ugly”.
Geprägt hat den Begriff “Web 2.0” angeblich Timm O’Reilley, Gründer und Besitzer des gleichnamigen Computerbuch-Verlags. Er benutzte den Begriff zur Veranschaulichung der Weiterentwicklung des Internets. Dabei handelt es sich weniger um eine technische Weiterentwicklung – die einzelnen Technologien existieren zum Teil schon seit Anbeginn des Internets – sondern um eine gesellschaftliche Entwicklung. Das Internet hat sich in einem großen Teil der Welt durchgesetzt und als vollwertiges Medium neben den bestehenden Medien wie Print, Rundfunk und Fernsehen etabliert. Mehr noch, es entwickelt sich derzeit zu einem mächtigen Konkurrenten.

Warum ”The Good, the Bad and the Ugly”?

Die meisten Menschen, die das Internet nutzen wandeln sich derzeit von passiven Konsumenten zu aktiven Teilnehmern [Anderson, 2006; Tapscott und Williams, 2006]. Sie nutzen dabei die verschiedensten Plattformen zum Austausch von Daten. Diese Daten umfassen einerseits Dinge wie Bilder, Filme oder Tondokumente aber auch so etwas wie Meinungen, Stimmungen und Erfahrungen. Bekanntermaßen geschieht dies nicht immer nur zur Freude von Firmen, welche zum Beispiel Rechte an den getauschten Daten haben oder „Opfer“ von Erfahrungsberichten werden. Die Versuche der Film- und Musikindustrie, die Verteilung von Kopien ihrer Produkte über die peer-to-peer-Netzwerke zu unterbinden, geistern seit Jahren durch die Presse. Einer der bekanntesten Fälle der letzten Zeit sind die Klagen der verschiedensten Medienfirmen gegen Youtube (http://www.youtube.com).

Die Menschen begnügen sich nicht mehr damit, fertig produzierte Dinge auszutauschen, sondern sie beginnen, neben der Verteilung auch die Produktion zu übernehmen. Im Sinne des Urheberrechts zwar unbedenklich und nicht angreifbar, macht diese neue Form des Internets in Zukunft ganzen Branchen zu schaffen. Wer abends im Internet surft und sich dabei Videoclips auf Youtube.com (http://www.youtube.com) anschaut, der fehlt den Fernsehgesellschaften als Zuschauer und schmälert so letztendlich die Werbeeinnahmen der Sender. Dieses Verhalten macht den klassischen Medien zunehmend Probleme.

Ein Beispiel, wie Fernsehgesellschaften versuchen damit umzugehen ist CNN (http://www.cnn.com/). Der Nachrichtensender ging dazu über, Nachrichten aus den Archiven als Videoclip im Internet anzubieten. Damit sollen einerseits die Zuschauer gebunden werden, die zunehmend ins Internet abwandern. Aber auch die Veröffentlichung und Verbreitung der Clips im Internet soll nicht beliebigen Plattformen überlassen werden.

Die Veränderung der Mediennutzung vieler Menschen hat aber noch andere Aspekte, als die abnehmenden Zuschauerzahlen bei Funk und Fernsehen. Das Schlagwort ist hier die gute, alte “Mund zu Mund-Propaganda”. Der hohe Grad der Vernetzung der Menschen über die modernen Kommunikationskanäle ermöglicht die Verbreitung von Informationen in Windes Eile. Das betrifft eben auch Meinungen über oder Erfahrungen mit Firmen und ihrer Produkte. Meist geschieht dies weder gesteuert noch zielgerichtet. Marketing im Zeitalter von Web 2.0 möchte genau hier ansetzen und so etwas wie Steuerung und Kontrolle ausüben. Aber: kann das funktionieren?

Zurück zur Frage, warum ”The Good, the Bad and the Ugly”:

The Good
Irgendwo in der hintersten Ecke der Landkarte findet sich ein Firma xyz, die schon immer gute Produkte hatte. Nur leider weiß kaum ein Mensch von diesen tollen Produkten. Die Firma produziert im Kleinen so vor sich hin und hat nur mäßig Erfolg was die Umsätze und Erlöse angehen.
Irgendwann aber taucht in einem Internet ein Beitrag in einem Forum oder Blog eines begeisterten Kunden auf. Daraufhin finden die Produkte immer mehr Abnehmer. Über die Zeit mehren sich auch die Beiträge im Internet über die tollen Produkte und siehe da: Umsätze und Produkte der kleinen aber feinen Fimra steigen. Dank Web 2.0 eine Erfolgsgeschichte.

The Bad
Es gibt im Nachbarort der Firma xyz aber eine andere Firma uvw. Diese ist ein Mitbewerber von yxz. Deren Produkte sind nicht ganz so toll wie die der Firma yxz aber dafür ist Marketingabteilung von uvw pfiffiger: Warum nicht ein paar Studenten anheuern und Beiträge über die angeblich noch besseren Produkte von uvw in allen möglichen Foren streuen. Gegen kleine Aufwandsentschädigungen sind auch einige Blogger bereit, lobende Beiträge in ihren Blogs zu veröffentlichen. Wem schadets?

The Ugly
Die häßliche Seite von Web2.0 wird gerne übersehen (oder gerne auch verschwiegen). Betroffen sind einzelne Personen als auch Firmen. Die Konsequenzen können unter Umständen verheerend sein. Alles was im Internet veröffentlicht wird, ob wahr oder falsch, legal oder illegal, bleibt dort unwiederbringlich erhalten.

  • Der peinliche Auftritt des Kollgen bei der letzten Weihnachtsfeier als Videoclip digital festgehalten macht nicht mehr nur in der Firma die Runde. Weil es wirklich lustig ist taucht das Filmchen in verschiedenen Videoportale auf und steht damit einem weltweiten Publikum zur Verfügung.
  • Der Ex hat von seiner ehemaligen Freundin noch ein paar sehr private Bilder auf seiner Digicam. Die Bilder als Spaß bei einem Bilderdienst auch noch mit Telefonnummer und zweideutigen Angeboten veröffentlicht und die Frau wundert sich über zunehmende seltsame Anrufe.
  • Oder bei Firmen: Die Marketingsfachleute von uvw sind nicht nur pfiffig, sondern auch bösartig. Sie lassen die Studenten nicht nur positive Mitteilungen über die eigenen Produkte verbreiten, sondern es werden auch Beiträge gestreut, die die Produkte des Mitbewerbers yxz schlecht machen. Schon nicht mehr schön. Die Firma yxz wundert sich auf einmal, warum die Verkaufszahlen wieder zurückgehen.

Web 2.0 beginnt, seine häßliche Seite zu zeigen!

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