Gelesen: Web Analytics von Marco Hassler

November 25th, 2010

Der Buchmarkt zum Thema Webanalyse ist im deutschsprachigen Raum noch recht überschaubar. Eines der ersten Fachbücher zu Webanalytics stammt von Marco Hassler, dessen zweite und überarbeitete Auflage im Frühjahr diesen Jahres erschien “Web Analyse: Metriken auswerten, Besucherverhalten verstehen, Website optimieren“.

Hassler bietet auf über 500 Seiten eine grundlegende Einführung in das Thema. Mit einem gewissen Maß an Vorwissen ist das immer etwas problematisch, denn so gestaltete sich die Lektüre zeitweise etwas zäh. Ich habe mich trotzdem durchgebissen und konnte dann doch noch die ein oder andere neue Erkenntnis gewinnen.

Gefallen hat mir vor allem sein Ansatz, dass Webanalyse nicht zum Zählen von Seitenaufrufen oder Besuchen dient, sondern zur Nachverfolgung ganz konkreter Geschäftsziele. Um diese zu ermitteln beschreibt er sehr ausführlich die Methodik und gibt sehr detailierte Anleitungen für Workshops mit den relevanten Kollegen der verschiedensten Abteilungen. Mit der Definiton der Ziele geht die Entwicklung der Kennzahlen einher, mit denen später die Erreichung der Ziel überprüft wird. Ein Vorgehen, für das ich selbst auch immer gerne Werbung mache.

Ein (ganz klein) wenig inhaltliche Kritik zum Buch:

  • Zur Optimierung von Webseiten favorisiert Hassler den Einsatz von multivariaten Tests gegenüber A/B-Tests (auch A/B Splittests genannt). Für mich sind diese beiden Methoden aber nicht beliebig austauschbar, denn multivariates Testing setzt sehr viel Traffic auf der Webseite voraus. Nur so kommt man zu statistisch sauberen Ergebnissen. Für viele Webseitenbetreiber ist damit zwangsläufig der A/B-Test das Mittel der Wahl (siehe auch mein Posting zu Tim Ash’s Buch Landing Pages oder Rückblick auf den emetrics summit).
  • Eine ähnliche Problematik ergibt sich mit den von Hassler emfohlenen Tools, um Webseiten von Mitbewerbern zu analysieren. Mit Google Trends, Compete oder Alexa lassen sich z.B. die Anzahl an Besuchern fremder Webseiten zumindest schätzen. Aber auch hier nur unter der Voraussetzung, dass die Webseiten genügend Traffic aufweisen. Aber wer von uns betreut schon eine Webseite wie die von BMW oder vom ZDF?
  • Auch wenn die neue Auflage des Buches erst in diesem Jahr erschien, die Beipsiele des tracking codes für die Messung virtueller Seitenaufrufe und von Events in Google Analytics scheinen nicht mehr aktuell zu sein. Bei mir hier auf dem Blog virtual-commerce.de haben sie jedenfalls nicht funktioniert und ich musste mir erst die neue Syntax auf der offiziellen Supportseite zu Google Analytics raussuchen (http://code.google.com/intl/en/apis/analytics/docs/tracking/home.html). Aber auch das ist ja ein generelles Problem von Printmedien im Internetzeitalter.

Für mich ganz nützlich war der praktische Teil zu Google Analytics. Ich gehör(t)e auch zu den 0815-Usern des freien Webanalyse-Tools. Mit der Anleitung von Marco Hassler habe ich nun aber einige zusätzliche Auswertungen mithilfe von virtuellen Seitenaufrufen und dem Event-Tracking einrichten können wie z.B. die Messung der PDF-Downloads und Outbound-Links. Jedenfalls hat der interessierte Leser so die Chance, viele Fragestellungen der Webanalyse in der Praxis auszutesten, vorausgesetzt natürlich, er betreibt eine eigene Webseite oder einen eigenen Blog.

Als Fazit: für jeden, der sich in Webanalyse einarbeiten möchte oder mehr davon verstehen möchte liefert das Buch eine gute Grundlage. Für Praktiker im Marketing bzw. Onlinemarketing sollte es Pflichtlektüre werden. Für praxiserprobte Webanalysten bietet es jedoch nicht viel neues.

Social Media und Versicherungen, passt das?

November 23rd, 2010

Social Media ist das Thema unserer Zeit, Versicherungen dagegen ungefähr das Langsweiligste, was man sich vorstellen kann. Das gilt für die Unternehmen wie auch für deren Produkte. Keiner will sie, jeder braucht sie (zumindest einige davon).

Wie die Themen Versicherungen und Social Media doch zusammenpassen erklärten gestern Vertreter der Allianz Deutschland und der R+V bzw. deren Tochter, der R+V24. Das Engagement der Allianz in Sozialen Medien lässt sich aus deren Vertriebsmodell erklären: die Allianz-Vertreter waren schon seit jeher Teil einer lokalen Community. Das Unternehmensmodell der R+V dagegen basiert auf Genossenschaften, also einer Gemeinschaft aus Gleichgesinnten. Was liegt also näher als dieses Modell in das Web 2.0 zu übertragen.

Beide Vertreter der Unternehmen präsentierten gestern weder best practises noch imponierten sie die rund 200 Gäste mit tollen Kampagnen. Statt dessen schilderten beide den steinigen Weg in Richtung Sozialer Medien durch die internen Entscheidungsgremien ihrer Firmen. Die Erkenntnis, dass es den Kollegen in anderen Firmen auch nicht besser geht als einem selbst hat durchaus etwas Beruhigendes.

Die Zielplattformen, mit denen beide Firmen am aktivsten experimentieren sind derzeit Facebook und Twitter. Wobei zumindest die Allianz Deutschland die Plattformen je nach Zielsetzung trennt: Facebook für den Bereich Marketing und Twitter als Kommunikationskanal für die Unternehmenskommunikation.

Das Event wurde vom Social Media Club München (SMCMUC) organisiert und fand im angenehmen Ambiente des zentral gelegenen Restaurants Moccar Pompidou statt. An dieser Stelle einen Dank an die Organisatoren! Weitere Veranstaltungen des Social Media Clubs München werden entweder über die entsprechende Xing-Gruppe, die Facebookseite oder über Twitter bekannt gegeben. Soll also keiner sagen, er hätte nichts mitbekommen!

Social Media Club München im Netz:

Einen ausführlichen Bericht vom Abend (mit Bildern) findet sich unter:
http://smcmuc.posterous.com/social-media-in-der-versicherungsbranche-smcm

Facebook das neue Second Life?

November 22nd, 2010

Blöde Frage, natürlich nicht. Aber irgendwie fühle ich mich in der Zeit mal wieder zurückversetzt, und zwar in das Jahr 2007. Damals war an allen medialen Ecken und Enden zu hören und zu lesen, dass Second Life das Internet in seiner bekannten Form ersetzen und damit ablösen wird. Die identischen Botschaften hört man nun im Hinblick auf Facebook.

Mal sehen, welche Sau in drei oder vier Jahren durchs Dorf getrieben wird.

Analyse der Webseiten von Mitbewerbern

November 19th, 2010

Neben der Analyse der eigenen Webseite gehört die Beobachtung der Mitbewerber zum Onlinemarketing. So erkennt man, welcher Konkurrent aktiv und mit welchem Erfolg Onlinemarketing betreibt.

Folgende externe Parameter können einfach von fremden Webseiten ermittelt werden.

  • Anzahl indexierter Seiten über Google (site:www.mywebsite.tld)
  • Google Pagerank (z.B. über den Google Toolbar)
  • Alexa Rank (www.alexa.com)
  • Anzahl indexierter Seiten über Yahoo (über Yahoo-Siteexplorer)
  • Backlinks über Yahoo (über Yahoo-Siteexplorer)
  • Anzahl indexierter Seiten über Google (site:www.mywebsite.tld)
  • Backlinks über Google (link:www.mywebsite.tld)
  • Positionierung von Keywords (z.B. über Firefox-Plugin Rank Checker)

Einige der Parameter lassen sich zusammengefasst über den sogenannten Seitwert ermitteln. Der Seitwert ist eine aus verschiedenen Parametern zusammengesetzte Kennzahl (ich weiß, es ist kein Profitool, aber für einen ersten Überblick doch ganz hilfreich).

Möchte man sehen, wer von seinen Mitbewerbern im Onlinemarketing aktiv ist, der sollte eine Landingpage-Bibliothek anlegen. Schaut man sich die Landingpages von SEM-Kampganen der Konkurrenz in regelmäßigen Abständen an und sammelt die deren Screenshots, sieht man sehr schön, wer ernsthaft dabei ist, sein Geschäft durch optimierte Kampagnen (A/B-Testing, Multivariates Testing) zu steigern. Die ein oder andere Idee zur Gestaltung der eigenen Landingpages bekommt man so zudem auch mit. Ein wenig bei der Kokurrenz abkupfern gehört bekanntlich zum Geschäft ;-) .

Aussagen über den Traffic fremder Webseiten zu bekommen, ist sehr schwierig. Die dafür oft genannten Tools wie Google Trends, Alexa oder compete liefern, wenn überhaupt, nur sehr grobe Werte. Die zu überprüfenden Webseiten müssen schon sehr gut besucht sein, um in den Tools gelistet zu werden. Außerdem beziehen sich die Werte dann vor allem auf Nordamerika bzw. auf englischsprachige Webseiten. Die Analyse der Webseite eines deutschen Mittelständlers kann man damit vergessen. Dann schon besser einen Stammtisch mit den Kollegen aus anderen Firmen organisieren und sich auf diesem Wege austauschen!

Darüber hinaus gibt es zahlreiche kommerzielle, sehr mächtige Tools zur Beobachtung der Mitbewerber wie zum Beispiel Sistrix (dort findet sich auch ein lesenswerter SEO-Blog) oder Xovi, mit denen ich bisher aber keine Erfahrung habe. Wer SEO ernsthaft betreiben möchte  (zum Beispiel im Auftrag für Kunden), wird um Tools dieser Art nicht herumkommen. Weitere Infos findet man auf dem Blog http://www.konkurrenzanalyse.net/

Ein eigenes Analytics-Tool für Twitter

November 18th, 2010

Laut einem Beitrag auf Mashable (http://mashable.com/2010/11/17/twitter-analytics/) launcht Twitter demnächst eine eigene Analytics-Lösung. Dieses Tool soll angeblich allen Twitter-Nutzern kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Es ermöglicht angeblich die Auswertung zahlreicher Kennzahlen den eigenen Account betreffend.

Bisher steht die Lösung nur einem kleinen, von Twitter ausgewähltem Kreis an Nutzern zur Verfügung. Der Bericht von Mashable zeigt aber bereits Screenshots des Tools.

Ein Tool zur Nachverfolgung des eigenen Einflusses auf Twitter, dass einem bereits jetzt schon kostenfrei zur Verfügung steht, ist der Twitalizer von Webanalytics-Guru Eric T. Peterson (Web Analytics Demystified).

Firefox Browser-Plugin um Webseiten über Twitter und Facebook mitzuteilen

November 17th, 2010

Es ist schon wieder einige Tage her, dass ich bei Mashable über das  neue F1 Browser-Plugin (http://mashable.com/2010/11/10/mozilla-f1/) gestolpert bin. Nach der Installation hat man in der Symbolleiste rechts neben dem Eingabefeld der Suche ein weiteres kleines Symbol in Form einer Sprechblase.

Über dieses Symbol kann man im oberen Seitenbereich einen Dialog öffnen, der einem erlaubt, die aktuell im Browser angezeigte Webseite an seine Freunde auf Facebook oder seine Follower auf Twitter weiterzureichen.

Linksammlung für freie Hörbücher (Audiobooks)

November 15th, 2010

Heute per Zufall drübergestolpert: Open Culture. Das Portal bietet eine nützliche (Link-)Sammlung freier Hörbücher (Audiobooks), Filme, eBooks sowie Onlinequellen für allerlei Themen wie Sprachkurse in Form von Kursen oder Lehrbüchern (Textbooks).

Vor allem Freunde klassischer Literatur finden zahlreiche von Amateuren gelesene Werke, deren Rechte inzwischen abgelaufen sind. Einziger Nachteil: alles nur in englischer Sprache.

Einmalige Chance zur WAA-Zertifizierung in Deutschland

November 4th, 2010

Seit diesem Jahr bietet die WAA (Webanalytics Association) die Möglichkeit zur Zertifizierung an. Das Zertifikat soll für Einzelpersonen den Nachweis über Wissen und Kompetenz im Bereich der Webanalyse dienen.

Bisher gibt es in Deutschland allerdings kein Testcenter, das die Zertifizierung im Auftrag der WAA anbietet. Trotzdem gibt es nun die Chance, das Zertifikat auch in Deutschland abzulegen, nämlich einmalig am 14. Dezember 2010 in Berlin.  Schnellentschlossene (bis zum 15. November 2010) und WAA-Mitglieder erhalten einen Bonus. Wer Interesse hat, kann sich auf der Website der WAA informieren:

http://www.webanalyticsassociation.org/?page=certification

Wie wichtig ist eigentlich noch die eigene Webseite?

November 3rd, 2010
Auf dem Weg zur Arbeit habe ich mir heute die aktuellste Folge des Podcasts Brouhaha zum Chefticket der Bahn von Alexander Wunschel und Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach angehört. Die beiden analysieren sehr nüchtern und sachlich – was ich sehr angenehm finde – die Patzer von Firmen in Sozialen Medien. Aber keine Sorge, ich werde jetzt nicht auch noch in die Diskussion um die Bahn einfallen. Aber in einem kleinen Nebensatz erwähnten die beiden, dass die von der Bahn geschalteten Werbemaßnahmen nicht wie üblich auf eine eigene Landingpage der Kampagne führt, sondern auf die zur Kampagne gehörende Facebook-Seite.
Das bringt mich zu der eigentlichen Frage, die mich bereits ein wenig länger beschäftigt: Wie wichtig ist eigentlich noch der eigene Webauftritt? Die Zahl der möglichen Kommunikationskanäle nimmt dank Social Media rapide zu und auf all diesen Kanälen möchten oder sollen Firmen aktiv und präsent sein. Wozu dann noch die eigene Webseite? Genügt z.B. nicht die Facebook-Seite als zentrale Anlaufstelle für Kampagnen? Beispiel eben die Bahn mit Ihrer Kampagnenseite zum Chefticket.
Die Idee ist verlockend, sind die Kosten im Vergleich mit dem Betrieb einer eigenen Webseite auf den ersten Blick sehr überschaubar. Besonders Microsites oder Landingspages für Kampagnen können auf vielen dieser Plattformen kostenfrei eingerichtet werden. Ein weiteres Argument ist, dass man mit seiner Kampagne dort ist, wo die Nutzer sind bzw. die Zielgruppe ist, gerade bei Facebook ein oft gehörtes Argument. Und außerdem hört man in Bezug auf Facebook wieder sehr oft, dass diese Plattform das Internet als Ganzes ablösen könnte (Ich höre noch die Stimmen, die 2007 ähnliches von Second Life behaupteten).

Warum also trotzdem noch die eigene Webseite? Ich sammle einfach mal ein paar Argumente, warum ich glaube, dass der Einsatz einer eigenen Webseite immer noch Sinn macht:
  • Der überwiegende Teil der Internetnutzer sucht seine Informationen immer noch über die gängigen Suchmaschinen. Eine darauf optimierte Webpräsenz bekommt demnach über das organic listing der Suchmaschinen eine große Zahl an Besuchern.
  • Nur auf der eigenen Webseite hat man die Möglichkeit, das Verhalten der Nutzer zu beobachten und zu analysieren. Nur so kann man das eigene Angebot im Netz auf die Bedürfnisse der Nutzer optimieren.
  • Hinsichtlich des Datenschutzes ergeben sich neue Fragen, denn im Gegensatz zur eigenen Webseite muss man bei der Nutzung Sozialer Medien die Daten mit der entsprechenden Plattform teilen bzw. ist gezwungen, mit den Daten für eine Analyse zu leben, die einem das System zur Verfügung stellt. Weiterführende Auswertungen dürften kaum möglich sein.
  • Die verschiedenen Plattformen bieten oft nur eingeschränkte Möglichkeiten bei der Gestaltung und damit kaum Einfluss auf Design und Usability, und damit auch auf die Markenbotschaft.
  • Viele Firmen haben ein auf dem Internet basierendes Geschäftsmodell oder nutzen dieses wenigstens als einen von mehreren Vertriebswegen. Gibt man seine eigene Webpräsenz zugunsten einer Präsenz in einer Social Media Plattformen auf, liefert man sich dieser aus. Das könnten nachteilige Änderungen der AGB’s sein oder aber die Plattform verliert plötzlich die Gunst des Publikums.
Eine eigene Webseite macht also auch weiterhin Sinn. Sie wird aber in ihrer Bedeutung verlieren und nur noch ein Kommunikationkanal unter mehreren sein. Für einzelne Kampagnen macht es unter Umständen Sinn, ob nicht auch eine Seite bei Facebook als Kampagnenseite dienen kann. Allerdings mit den oben genannten Nachteilen.

Kleiner Ort ganz groß: Oberstaufen im Allgäu

November 2nd, 2010

Auf dem diesjährigen emetrics summit in München präsentierte sich der Allgäuer Urlaubsort Oberstaufen bzw. dessen Tourismusbüro als äußerst kreativ im Umgang mit Sozialen Medien. Beeindruckt hatte mich nicht nur die Mashup-Anwendung unter www.oberstaufen-plus.de, sondern vor allem die Bereitschaft des Ortes, sich den neuen Medien zu öffnen. Eine kurze Zusammenfassung des Vortrags findet sich in dem Beitrag Die Highlights des emetrics summit 2010 (Tag 2).

Mit der Idee, die dank des Sommerlochs in den (klassischen) Medien hochkochende Diskussion um Google Street View  für sich zu nutzen und Google mit einer Torte willkommen zu heißen, hat der kleine Ort sich allerdings selbst übertroffen. Dieser Mut wurde von Google nun belohnt: neben einiger ausgewählter Sehenswürdigkeiten deutscher Großstädte ist seit heute  Oberstaufen als erster Ort vollständig über Google Street View zu besichtigen. Nach dem großen Medienecho im Sommer hat es Oberstaufen nun nochmals in alle Kanäle der klassischen Medien, von Print bis TV, geschafft.

Zu finden ist der Ort unter http://www.google.de/intl/de/help/maps/streetview/gallery/#deutschlandreise&oberstaufen-allgau

Langsam werde ich neugierig und muss mir den Ort auch mal im echten Leben ansehen :-)