Diese Frage haben sich die Teilnehmer des Forschungsprojekts Zukünftige Qualifikationserfordernisse bei beruflichen Tätigkeiten auf mittlerer Qualifikationsebene aufgrund der Auswirkungen von Web 2.0, kurz web2skills (www.web2skills.de) gestellt. Auftraggeber dieses Projekts ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Im Rahmen dieses Projekts wurden nun verschiedene Thesen aufgestellt, die mit Experten aus der Praxis überprüft werden sollten.
Wie komme ich nun zu der Ehre, gemeinsam mit den Wissenschaftlern deren Ergebnisse diskutieren zu dürfen? Vor inzwischen mehr als 2 Jahren habe ich hier auf meinem Blog eine etwas umfangreichere Themensammlung zum Thema Web 2.0 unter der Namen Was ist Web 2.0 oder The Good, the Bad and the Ugly veröffentlicht. Auf dieses Dokument wurden nun einige der Mitglieder der oben genannten Forschungsgruppe aufmerksam und fanden das Dokument wohl so interessant, dass sie mich als Experten zu einem Workshop einluden. Das schmeichelt natürlich dem eigenen Ego. In diesem Workshop ging es dann um die Validierung der von der Forschungsgruppe aufgestellten Thesen. Dieses Angebot habe ich gerne angenommen, denn wann hat man schon einmal die Chance, die akademische Aufarbeitung aktueller Phänomene wie Web 2.0 oder Soziale Medien zu diskutieren. Gespannt war ich außerdem auf die anderen eingeladenen “Experten” der Runde.
Von den diskutierten Inhalten möchte ich hier nichts mitteilen, dazu findet sich allerhand auf der begleitenden Webseite des Projekts unter www.web2skills.de sowie der des übergeordneten Programms unter www.frequenz.net. Dort finden sich auch die wissenschaftlichen Teilnehmer der Studie. Sobald ich Informationen darüber erhalten habe, wo die Ergebnisse der Forschung veröffentlicht wurden und gegebenenfalls abrufbar sind, werde ich das natürlich hier über meinen Blog kundtun.
Allerdings möchte ich einige persönliche Eindrücke von der Veranstaltung schildern. Denn die Dimension, welche die Sozialen Medien für jeden von uns einnehmen werden, war mir selbst nicht so bewusst. Und zwar unabh?ngig davon, ob wir aktiv daran teilnehmen oder nicht. So kennt uns die inzwischen weltgr??te Online-Community Facebook auch, wenn wir dort selbst keinen Account haben. So erstaunlich das klingt, aber über den Import z.B. unserer Email-Adressbücher werden auch die Daten von Nichtmitgliedern importiert und in Beziehung zu anderen Personen gesetzt (siehe auch Artikel in der ct 5/2010). Anderes Beispiel: Als Dienstleister (oder Lehrer) wird die Leistung auf Portalen bewertet, von denen wir unter Umst?nden nie gehört haben. So ergibt sich in Zukunft für jeden von uns die Notwendigkeit, mehr oder weniger regelmäßig das Netz nach Daten ?ber uns abzusuchen (Social Media Monitoring).
Auf alle Fälle spielen das Web2.0 eine zunehmend große Rolle bei der Jobsuche, denn Firmen pr?fen Kandidaten nicht mehr nur auf ihre Eignung (Background Checking) sondern gehen ganz gezielt im Netz auf Suche nach Ihrem Wunsch-Mitarbeiter. Daher kann man die Effekte auch umkehren und die Mechanismen des Web 2.0 für seine eigenen Zwecke, sprich für seine Reputation zu nutzen. Es ist allemal besser, selbst aktiv zu werden und seine digitale Identität selbst verwalten und steuern. Das setzt natürlich einige Kenntnisse über die Neuen Medien vorraus. Ob diese geforderte Medienkompetenz allerdings Teil einer schulischen oder beruflichen Qualifikation werden kann, möchte ich bezweifeln, denn die Bedingungen ändern sich so rasant, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass der Umgang mit dem sich ständig weiter entwickelnden Internet als statischer Lerninhalt vermittelt werden kann. Die Frage, wer für die Medienkompetenz von Jugendlichen zuständig sein soll, die Lehrer oder die Eltern, ist immer noch offen, denn meist verfügen die Jugendlichen selbst in diesem Bereich über deutlich mehr Wissen als ihre Vorgängergeneration.
Was bleibt ist Eigeninitiative und ein gewisses Maß Neugier, denn wer in Zukunft diese Werkzeuge für sich und seine Interessen zu nutzen weiß, wird klar im Vorteil sein.
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