Der zweite Tag des emetrics summit war noch mehr durch Anwendervorträge geprägt als der erste. Der Vortrag der MLP Finanzdienstleistungen AG fiel wegen Krankheit des Referenten leider aus, aber es waren immer noch sehr interessante Firmen am Start. Größtenteils Vertreter der Old Economy. Für mich bleibt es immer wieder spannend, wie traditionelle Firmen den Shift in das Internetzeitalter vollziehen und auf welche Probleme sie dabei stoßen. Der erste Vortrag wurde allerdings von einem Vertreter der New Economy bestritten:
- Sehr selbstkritisch ist mydays, ein Anbieter (besser Vermittler) von außergewöhnlichen Events, an die Optimierung seiner Webseite herangegangen. Die Erkenntnisse waren enorm. Ein guter Teil des Geschäfts läuft über Gutscheine, die verschenkt und später eingelöst werden. Gab es bei der Auswahl des Angebots kaum Probleme, schien es mit dem Einlösen einige Schwierigkeiten zu geben. Der Grund? Die Zielgruppen waren zum Teil sehr verschieden. Die Gutscheine werden zwar oft von Jüngeren gekauft, diese schenken sie aber ihren Eltern oder Großeltern. Und die scheitern dann beim Einlösen des Angebots. Also zwei Zielgruppen mit völlig unterschiedlichem Nutzerverhalten auf der Webseite. Wichtig ist zudem die Qualität und Zuverlässigkeit der Veranstalter der eigentlichen Events. Jedenfalls konnte mydays die Nutzerzufriedenheit beim Einlösen der Gutscheine deutlich verbessern.
- Zweiter Punkt der Agenda war eine Diskussion zwischen Ossi Urchs, dem Moderator der emetrics, und Patrick Palombo, Berater im Bereich e-Commerce und Versandhandel. Es ging um die Frage, ob der klassische Versandhandel in Deutschland die aktuellen Entwicklungen der Sozialen Medien verschläft. Nach der Pleite des Traditionsunternehmens Quelle vor einigen Monaten eine berechtigte Frage. Patrick Palombo kritisierte an den Unternehmen, dass sie oft erst auf Druck von außen reagieren. Von einer durch Innovation geprägten Kultur keine Spur. Eine Beobachtung, die ich in meinem eigenen Umfeld auch immer wieder mache.
- Der zweite Anwendervortrag des Tages beschäftigte sich mit dem Tool, dass in der Webanalyse vermutlich am häufigsten eingesetzt wird: das Tabellenkalkulationsprogramm Excel von Microsoft. Wie bringt man nun aber Daten aus diversen Webanalysetools und aus mehreren Exceldateien zusammen und kann sie dann auch noch in übersichtlichen Dashboards darstellen? Die Antwort lautet Palo. Palo ist eine OLAP-Datenbank die als Opensource-Projekt der Firma Jedox AG frei verfügbar ist. Dank Palo können Daten aus unterschiedlichsten Quellen zusammengeführt werden. Durch eine Integration in Excel (wie ich gesehen habe, wird die Tabellenkalkulation von OpenOffice auch unterstützt) können diese Daten wie gewohnt in Excel weiterverarbeitet und dargestellt werden. Das gesamte Einsatzgebiet von Palo habe ich aufgrund des Vortrags noch nicht erfasst, ich werde mich aber noch eingehender damit beschäftigen. Vor allem erscheint die Zusammenführung der Webanalysedaten mit weiteren Daten aus anderen Unternehmensbereichen möglich und bietet die Chance auf sehr viel weitreichendere Analysen als diese alleine mit der Webanalyse möglich sind.
- Spannende Einsichten in seine Webanalyse gewährte auch der holländische Konzern Philips International BV. Ein Team von fast 10 Webanalysten versorgt die Fachbereiche der Firma mit allen erdenklichen Zahlen, Daten, Fakten und Auswertungen. Dabei ist das Webanalyse-Team zwar eine Abteilung, die einzelnen Mitglieder sitzen aber verteilt in mehreren Ländern. Mich hat erstaunt, welchen Stellenwert das Internet und auch die Webanalyse in diesem Unternehmen hat. Philips ist definitiv im Internetzeitalter angekommen.
- Zentrales Element der emetrics ist eine Diskussionsrunde der Teilnehmer untereinander. In mehreren Gruppen sollte diskutiert werden, wo sich die Teilnehmer mit ihren Firmen im Reifegradmodell einstufen. In meinem Post über den ersten Tag hatte ich ja schon angedeutet, dass sich diese Fragen den wenigsten Teilnehmern stellt, denn alle waren sich einig, dass sie sich in der ersten Stufe, dem Reporting befinden. Interessant war, dass es kaum Unterschiede zwischen Traditionsunternehmen und Internet-Firmen – der Old und New Economy – gab. Mal sehen, wie sich diese Thema über die nächsten Jahre weiterentwickelt.
- Mit welchen Problemen Unternehmen im e-Commerce zu kämpfen haben zeigte sich bei der Deutschen Post DHL. Die Konsolidierung aller e-Commerce-Aktivitäten in einem solchen großen Konzern, in dem fast jeder Geschäftsbereich im Internet aktiv ist, stellt eine kaum zu lösende Aufgabe dar. Das geht nur mit entsprechender Unterstützung aus dem oberen Management. Dabei liefert die Webanalyse die notwendigen Zahlen für die Argumentation. Ähnliche Probleme – allerdings in deutlich kleinerer Dimension – kenne ich aus meiner eigenen Tätigkeit. Die Probleme in Unternehmen scheinen überall sehr ähnlich zu sein, unabhängig von der Branche.
- Alle reden vom Marketing in Sozialen Medien, aber kaum keiner hat’s bisher (erfolgreich) gemacht. Doch, das Tourismusbüro von Oberstaufen im Allgäu. Die haben nicht nur Ihre Facebook Fanpage und ihren Twitterkanal, sondern sie bündeln diese einzelnen Kanäle ergänzt durch Youtube (Videos) und Flickr (Photos) in einer fantastischen Mashup-Anwendung. Zu erreichen unter www.oberstaufen-plus.de. Die Inhalte kommen also nicht nur vom Tourismusbüro selbst, sondern von Nutzern, die per tagging ihre Inhalte den einzelnen streams innerhalb der einzelnen Plattformen zuordnen. Und damit nicht nur die Marketingfachleute begeistert sind, sondern auch die lokalen Hoteliers, ist das zentrale Buchungstool überall gut zu finden und zu erreichen. Inklusive einer Integration in Facebook. Unbedingt einmal anschauen.
Sollte sich jemand wundern, warum ich hier so ausführlich über die Konferenz berichte, es sind meine eigenen Aufzeichnungen, die ich nach der Veranstaltung einfach nochmal durchgehe. Um in der Konferenzsprache zu bleiben: so rette ich die Learnings und Insights in meinen Arbeitsalltag hinüber. Und warum nicht ganz im Sinne der Sozialen Medien diese etwas aufgehübscht über meinen Blog der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.
Wer sich dagegen eingehender mit Webanalyse beschäftigen möchte hat übrigens auch ohne emetrics die Gelegenheit dazu. Einmal gibt es den Berufsverband der Webanalysten, die Webanalytics Association. Zum anderen finden in immer mehr deutschen Städte sogenannte Webanalytics Wednesdays statt (mir sind Hamburg, Berlin und München bekannt). Wer Fragen dazu hat, kann sich gerne bei mir melden.
So, jetzt reicht’s aber auch!
Tags: emetrics, events, münchen, webanalytics

[...] Auf dem diesjährigen emetrics summit in München präsentierte sich der Allgäuer Urlaubsort Oberstaufen bzw. dessen Tourismusbüro als äußerst kreativ im Umgang mit Sozialen Medien. Beeindruckt hatte mich nicht nur die Mashup-Anwendung unter http://www.oberstaufen-plus.de, sondern vor allem die Bereitschaft des Ortes, sich den neuen Medien zu öffnen. Eine kurze Zusammenfassung des Vortrags findet sich in dem Beitrag Die Highlights des emetrics summit 2010 (Tag 2). [...]