Archive for März, 2010

Die Highlights des emetrics summit 2010 (Tag 2)

Dienstag, März 30th, 2010

Der zweite Tag des emetrics summit war noch mehr durch Anwendervorträge geprägt als der erste. Der Vortrag der MLP Finanzdienstleistungen AG fiel wegen Krankheit des Referenten leider aus, aber es waren immer noch sehr interessante Firmen am Start. Größtenteils Vertreter der Old Economy. Für mich bleibt es immer wieder spannend, wie traditionelle Firmen den Shift in das Internetzeitalter vollziehen und auf welche Probleme sie dabei stoßen. Der erste Vortrag wurde allerdings von einem Vertreter der New Economy bestritten:

  • Sehr selbstkritisch ist mydays, ein Anbieter (besser Vermittler) von außergewöhnlichen Events, an die Optimierung seiner Webseite herangegangen. Die Erkenntnisse waren enorm. Ein guter Teil des Geschäfts läuft über Gutscheine, die verschenkt und später eingelöst werden. Gab es bei der Auswahl des Angebots kaum Probleme, schien es mit dem Einlösen einige Schwierigkeiten zu geben. Der Grund? Die Zielgruppen waren zum Teil sehr verschieden. Die Gutscheine werden zwar oft von Jüngeren gekauft, diese schenken sie aber ihren Eltern oder Großeltern. Und die scheitern dann beim Einlösen des Angebots. Also zwei Zielgruppen mit völlig unterschiedlichem Nutzerverhalten auf der Webseite. Wichtig ist zudem die Qualität und Zuverlässigkeit der Veranstalter der eigentlichen Events. Jedenfalls konnte mydays die Nutzerzufriedenheit beim Einlösen der Gutscheine deutlich verbessern.
  • Zweiter Punkt der Agenda war eine Diskussion zwischen Ossi Urchs, dem Moderator der emetrics, und Patrick Palombo, Berater im Bereich e-Commerce und Versandhandel. Es ging um die Frage, ob der klassische Versandhandel in Deutschland die aktuellen Entwicklungen der Sozialen Medien verschläft. Nach der Pleite des Traditionsunternehmens Quelle vor einigen Monaten eine berechtigte Frage. Patrick Palombo kritisierte an den Unternehmen, dass sie oft erst auf Druck von außen reagieren. Von einer durch Innovation geprägten Kultur keine Spur. Eine Beobachtung, die ich in meinem eigenen Umfeld auch immer wieder mache.
  • Der zweite Anwendervortrag des Tages beschäftigte sich mit dem Tool, dass in der Webanalyse vermutlich am häufigsten eingesetzt wird: das Tabellenkalkulationsprogramm Excel von Microsoft. Wie bringt man nun aber Daten aus diversen Webanalysetools und aus mehreren Exceldateien zusammen und kann sie dann auch noch in übersichtlichen Dashboards darstellen? Die Antwort lautet Palo. Palo ist eine OLAP-Datenbank die als Opensource-Projekt der Firma Jedox AG frei verfügbar ist. Dank Palo können Daten aus unterschiedlichsten Quellen zusammengeführt werden. Durch eine Integration in Excel (wie ich gesehen habe, wird die Tabellenkalkulation von OpenOffice auch unterstützt) können diese Daten wie gewohnt in Excel weiterverarbeitet und dargestellt werden. Das gesamte Einsatzgebiet von Palo habe ich aufgrund des Vortrags noch nicht erfasst, ich werde mich aber noch eingehender damit beschäftigen. Vor allem erscheint die Zusammenführung der Webanalysedaten mit weiteren Daten aus anderen Unternehmensbereichen möglich und bietet die Chance auf sehr viel weitreichendere Analysen als diese alleine mit der Webanalyse möglich sind.
  • Spannende Einsichten in seine Webanalyse gewährte auch der holländische Konzern Philips International BV. Ein Team von fast 10 Webanalysten versorgt die Fachbereiche der Firma mit allen erdenklichen Zahlen, Daten, Fakten und Auswertungen. Dabei ist das Webanalyse-Team zwar eine Abteilung, die einzelnen Mitglieder sitzen aber verteilt in mehreren Ländern. Mich hat erstaunt, welchen Stellenwert das Internet und auch die Webanalyse in diesem Unternehmen hat. Philips ist definitiv im Internetzeitalter angekommen.
  • Zentrales Element der emetrics ist eine Diskussionsrunde der Teilnehmer untereinander. In mehreren Gruppen sollte diskutiert werden, wo sich die Teilnehmer mit ihren Firmen im Reifegradmodell einstufen. In meinem Post über den ersten Tag hatte ich ja schon angedeutet, dass sich diese Fragen den wenigsten Teilnehmern stellt, denn alle waren sich einig, dass sie sich in der ersten Stufe, dem Reporting befinden. Interessant war, dass es kaum Unterschiede zwischen Traditionsunternehmen und Internet-Firmen – der Old und New Economy – gab. Mal sehen, wie sich diese Thema über die nächsten Jahre weiterentwickelt.
  • Mit welchen Problemen Unternehmen im e-Commerce zu kämpfen haben zeigte sich bei der Deutschen Post DHL. Die Konsolidierung aller e-Commerce-Aktivitäten in einem solchen großen Konzern, in dem fast jeder Geschäftsbereich im Internet aktiv ist, stellt eine kaum zu lösende Aufgabe dar. Das geht nur mit entsprechender Unterstützung aus dem oberen Management. Dabei liefert die Webanalyse die notwendigen Zahlen für die Argumentation. Ähnliche Probleme – allerdings in deutlich kleinerer Dimension – kenne ich aus meiner eigenen Tätigkeit. Die Probleme in Unternehmen scheinen überall sehr ähnlich zu sein, unabhängig von der Branche.
  • Alle reden vom Marketing in Sozialen Medien, aber kaum keiner hat’s bisher (erfolgreich) gemacht. Doch, das Tourismusbüro von Oberstaufen im Allgäu. Die haben nicht nur Ihre Facebook Fanpage und ihren Twitterkanal, sondern sie bündeln diese einzelnen Kanäle ergänzt durch Youtube (Videos) und Flickr (Photos) in einer fantastischen Mashup-Anwendung. Zu erreichen unter www.oberstaufen-plus.de. Die Inhalte kommen also nicht nur vom Tourismusbüro selbst, sondern von Nutzern, die per tagging ihre Inhalte den einzelnen streams innerhalb der einzelnen Plattformen zuordnen. Und damit nicht nur die Marketingfachleute begeistert sind, sondern auch die lokalen Hoteliers, ist das zentrale Buchungstool überall gut zu finden und zu erreichen. Inklusive einer Integration in Facebook. Unbedingt einmal anschauen.

Sollte sich jemand wundern, warum ich hier so ausführlich über die Konferenz berichte, es sind meine eigenen Aufzeichnungen, die ich nach der Veranstaltung einfach nochmal durchgehe. Um in der Konferenzsprache zu bleiben: so rette ich die Learnings und Insights in meinen Arbeitsalltag hinüber. Und warum nicht ganz im Sinne der Sozialen Medien diese etwas aufgehübscht über meinen Blog der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Wer sich dagegen eingehender mit Webanalyse beschäftigen möchte hat übrigens auch ohne emetrics die Gelegenheit dazu. Einmal gibt es den Berufsverband der Webanalysten, die Webanalytics Association. Zum anderen finden in immer mehr deutschen Städte sogenannte Webanalytics Wednesdays statt (mir sind Hamburg, Berlin und München bekannt). Wer Fragen dazu hat, kann sich gerne bei mir melden.

So, jetzt reicht’s aber auch!

Nachgeliefert: Die Highlights des emetrics summit 2010 (Tag 1)

Montag, März 29th, 2010

In meinem letzten Post mit den ersten Eindrücken zum diesjährigen emetrics summit hatte ich versprochen, einzelne Highlights der beiden Konferenztage in München nachzuliefern. Also los:

  • Als einer der Gründer der Webanalytics Association und ursprünglicher Initiator des emetrics summits (die ?brigens weltweit stattfinden), hielt Jim Sterne die Keynote. Reduziert man seinen Vortrag auf wenige Sätze zeichnen sich zwei Entwicklungen in der Webanalyse ab. Zum Einen nimmt das Social Media Monitoring, also das Nachverfolgen von Reaktionen seitens der Nutzern auf den verschiedensten Plattformen zu einem Unternehmen, einen immer größeren Bereich ein. Das andere Thema ist die Einführung eines sogenannten Reifegradmodells (Maturity Model) in der Webanalyse. Es soll Hilfestellung geben, das eigene Unternehmen in Bezug auf den Einsatz von Webanalyse zu positionieren. Die Reifegrade sind in vier Stufen eingeteilt, die niedrigste Stufe ist das reine Reporting, die nächste Stufe wäre der Übergang zur Analyse und die höchste Stufe, das Nirwana sozusagen, bedeutet, Erkenntnisse aus der Webanalyse in die strategische Ausrichtung des Unternehemens einfließen zu lassen. Vorgreifend auf die User-Diskussion vom Folgetag möchte ich einwerfen, dass die meisten Vertreter von Unternehemen der Old Economy sich selbst bei Stufe 1, also dem Reporting, eingestuft haben. An dieser Stelle möchte ich die Frage einwerfen, ob daher zum jetzigen Zeitpunkt die Einführung eines Reifegradmodells überhaupt Sinn macht, wenn die meisten Firmen in Deutschland noch mit den Basics kämpfen. Der amerikanische, und wahrscheinlich auch der asiatische Markt dürfte da bereits um Längen voraus sein (wie sieht es eigentlich in anderen europäischen Ländern aus?). Als Tipp der Hinweis, dass es zum Thema des Reifegradmodells in der Webanalyse eine interessante Arbeit von Stephane Hamel gibt, die frei zum Download über immeria.net angeboten wird (in englisch).
  • Im zweiten Vortrag ging es um den Einsatz von Multivariatem Testing zur Optimierung von Konversionen bei dem Dating-Portal friendscout24. Es war sehr zu begrüßen, dass sich der Begriff Konversion nicht mehr nur auf den reinen Abverkauf in Onlineshops konzentrierte, sondern jede Form von gewünschter Interaktion zwischen Nutzern und einer Webseite berücksichtigt. Im Fall einer Dating-Plattform ist das zum Beispiel die Anzahl der Neuregistrierungen über entsprechende Landingpages. Der Einsatz von Multivariatem Testing (MVT) setzt meines Erachtens aber zwei Dinge vorraus: einmal eine weitestgehend durch AB-Testing optimierte und in ihren Grundelementen verifizierten Landingpages. Zweitens genügend Traffic, um bei verschiedenen Varianten einer Landingpage überhaupt noch statistisch saubere Aussagen zu bekommen. Mehr dazu später im …
  • … Workshop zur Optimierung von Landingpages mit Timo Aden. Timo Aden ist Autor des Buches Google Analytics sowie gemeinsam mit Patrick Ludolph Host des Webanalytics Podcasts Mole2. Ergebnis des Workshops für mich war, dass man bezüglich einer guten, also konvertierenden Landingpages überhaupt keine Aussage machen kann. Was funktioniert und was nicht hängt zu stark von den Einflüssen der Branche oder der Produkte ab. Es bleibt nichts weiter, als selbst auszuprobieren und zu testen. Dabei bietet sich der Einsatz von AB-Tests an, um die Hauptrichtung der Landingpage zu bestimmen. Multivariates Testing (MVT) sollte erst für das Feintuning zum Einsatz kommen. Ein guter Tipp war, sich eine Landingpage-Galerie seiner Mitbewerber anzulegen und diese auch permanent zu pflegen. So bekommt man einerseits sehr gute Eindrücke davon, wie die verschiedenen Landingpages aussehen (Ideenfindung) und andererseits sieht man sofort, wer von seinen Konkurrenten an seinen Landingpages arbeitet und diese optimiert.
  • Der Nachmittag begann mit einer Paneldiskussion zum brisanten Thema Webanalyse und Datenschutz. Der Bundesbeauftragte Peter Schaar (Autor des Buches: Das Ende der Privatsphäre) diskutierte mit Thomas Duhr, Vice Chairman IAB (Interactive Advertising Bureau) und Leiter des Arbeitskreises Targeting des BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft). Ehrlicherweise machte Herr Schaar mit seiner Position eine deutlich bessere Figur als Herr Duhr, denn der flabsigen Aussage Duhr’s, dass die Leute gegenüber Firmen ruhig ein wenig offener sein sollten, denn sie bekämen dafür ja auch etwas (was?) zurück, kann ich nicht so ganz folgen. Man ist ja nicht nur Webanalyst, sondern selbst auch Kunde. Den Anspruch nach einem für jeden Kunden nachvollziehbaren Umgang mit seinen Daten finde ich völlig gerechtfertigt. Die Webanalyse-Branche muss da meines Erachtens eine deutlich professionellere Position einnehmen. Das Gejammer über den Datenschutz als Spielverderber hilft nicht weiter. Da hat Herr Schaar einfach recht.
  • Die Diskussion zum Thema Social Media Controlling war etwas farblos. Es war zwar ganz lustig, wie eine Firma wie Beate Uhse in Sozialen Medien aktiv werden kann (könnte), wenn sie wegen Altersbeschränkungen auf den spannendsten Plattformen nicht präsent sein darf. Klassenprimus ist und bleibt einfach BMW mit seinem hervorragenden Videokanal BMW TV, so transportiert man Emotionen! Aber so richtig sind bei mir keine Highlights oder Aussagen hängen geblieben.
  • Als letzte Veranstaltung besuchte ich den Vortrag zur Gestaltung von Datenreports. Ein großes Problem (auch für mich) ist die Darstellung der Ergebnisse aus den Webanalysetools für die unterschiedlichen Zielgruppen. Man ist zu sehr Teil seiner datenzentrierten Welt und tut sich oft schwer, die Ergebnisse seinen Kollegen aus Marketing, Vertrieb oder anderen Fachabteilungen in einer ansprechenden und verständlichen Form mitzuteilen. Für mich Teil des Übergangs vom reinen Reporting zur echten Analyse.
  • Den Abschluss des ersten Tages (für mich) bildet einer der Sponsorenpräsentationen, in diesem Fall durch Google Analytics. Im Vortrag wurden die neusten Features vorgestellt, für mich aber weniger relevant. Google Analytics als kostenfreies und gern genutztes Webanalysetool war übrigens sehr präsent auf der emetrics.
  • Die Diskussionsrunde der Anbieter habe ich mir gespart. Diese dürfte höchstens für die Kollegen von Interesse sein, die gerade mit der Evaluierung eines Tools beschäftigt sind. Vorträge von Anwendern bzw. Diskussionen mit ihnen finde ich persönlich aber deutlich interessanter.

Ist jetzt doch wieder ein Menge Text geworden, daher beschränke ich mich erst einmal auf den ersten Tag. Ein Review der Vorträge des zweiten Tages folgt.

Einen weiteren Blogpost zur emetrics (mit Bildern!) habe ich auf dem Blog eControlling.de von Markus Vollmert gefunden.

Erstes Feedback zum emetrics summit 2010 in München

Donnerstag, März 25th, 2010

Ein Satz eines Kollegen aus Berlin charakterisiert die Veranstaltung für mich besonders gut: “Ick weß’ nich nich wat für ne Pille die Unternehmensberater unseren Vorständen verabreicht haben, ick hör’ nur noch Webanalyse, Webanalyse, Webanalyse”. Im Vergleich zum Vorjahr war die diesjährige emetrics in München deutlich besser besucht. Das Thema Webanalyse gewinnt nun also auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung.

War das Verhältnis von Referenten zu Zuhörern letztes Jahr noch sehr ausgeglichen (und das ist wörtlich gemeint), dürfte sich die Zahl der Zuhörer in diesem Jahr auf über 100 Personen erhöht und damit vervielfacht haben. Für mich besonders interessant, es waren sehr viel mehr Endanwender aus Firmen dabei, die Zahl der Berater und Tool-Anbieter hat sich dagegen nicht spürbar verändert.

Neu war in diesem Jahr auch das vorab stattfindende User Group Meeting. Fast 30 Anwender der unterschiedlichsten Webanalyse-Tools hatten sich in lockerer Atmosphäre zum Erfahrungsaustausch getroffen. Berater und Toolanbieter waren nicht zugelassen. Insgesamt eine sehr gute Idee.

Thematisch änderte sich auch der Fokus vieler Vorträge. Dominierten im Vorjahr noch die Themen zur Optimierung von Onlineshops zur Steigerung des Abverkaufs, hat sich dieses Jahr das Themenspektrum deutlich erweitert. So kamen auch Themen wie Aufbereitung der Daten aus den Analysetools für verschiedene Zielgruppen, das Monitoring von Social Media Kampagnen oder die Definition von Kennzahlen (KPI’s) jenseits des Abverkaufs zur Diskussion.

Sehr angenehm übrigens auch die Moderation über beide Tage durch Ossi Urchs. Es fällt dann doch positiv auf, wenn der Moderator selbst Ahnung von der Materie hat.

Als Fazit möchte ich feststellen, dass sich die Veranstaltung, die mir letztes Jahr auch trotz der geringen Beteiligung von Endanwendern sehr viel gebracht hatte, deutlich weiterentwickelt hat. Ich freue mich schon auf darauf, die Kollegen nächstes Jahr wieder zu sehen. Ein detailierte Bericht zu einzelnen Highlight der Veranstaltung folgt noch (ich brauche da immer etwas länger zu :-)

Nettes Zitat zum Wesen von Online Communities

Donnerstag, März 18th, 2010

Zur Frage, ob Online-Communities realen Gemeinschaften gleichwertig sind, bin ich über folgendes Zitat gestolpert: Die Cybergemeinschaft verhält sich zur realen Gemeinschaft wie die Gummipuppe zur lebendige Frau. Das Zitat stammt von Joseph Lockard (Progressive Politics, Electronic Individualism and the Myth of Virtual Community, 1997). Gelesen habe ich es in der Studie “Erfolgreicher Aufbau von Online-Communitys: Konzepte, Szenarien und Handlungsempfehlungen” von Sandra Schaffert und Diana Wieden-Bischoff.

Es rührt sich wieder was in virtuellen Welten

Freitag, März 5th, 2010

Wie ich kürzlich der Mitteilung einer LinkedIn-Gruppe (Virtual Worlds) entnommen habe, soll die virtuelle Welt There (there.com) vor Kurzen untergegangen sein (die Webseite funktioniert zumindest noch). Da ich dort nie Mitglied war, habe ich die Meldung nicht überprüft. Dafür bietet Mitbewerber LindenLab für sein Second Life die 2er-Version seines Viewers als Beta seit ein paar Tagen zum Download an. Das musste ich natürlich gleich ausprobieren (ja, ich bin ab und zu noch in Second Life unterwegs). Der Viewer funktionierte auf Anhieb ohne Probleme, auch die Benutzerführung ist deutlich intuitiver als bei der Vorgä?ngerversion geworden.

Es tut sich aber auch auf anderer Ebene etwas. Die aktuelle Ausgabe der ix (Heft März 2010) des Heise Verlags berichtet über verschiedene Webkonferenz-Tools. Zusätzlich zum Artikel findet sich ein kleiner Exkurs über Second Life und dessen Nutzung als Kollaborationstool für virtuelle Teams. Das IT-Fachmagazin berichtet über 1.400 Organisationen (Firmen, Universitäten, etc.), die Second Life bereits für Meetings, Präsentationen und Schulungen nutzen. Ziel ist dabei die Reduzierung von Reisekosten und die Möglichkeit, sich spontan “treffen” zu können. Diese Aktivitäten finden natürlich meist in geschlossenen Bereichen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ich bin ja immer noch davon überzeugt das virtuelle Welten dieser Art sich hervorragend zur Kommunikation via Internet eignen. Ganz dem Gartner Hype Cycle folgend, entwickeln sich nun langsam aber sicher die ernsthaften Anwendungen in Second Life. Und zwar unbeobachtet von Journalisten und der großen Öffentlichkeit. Die sind wohl alle gerade am twittern.

Totgesagte leben länger.

Sollten in der Schul- oder Berufsausbildung spezifische Kenntnisse über Soziale Medien vermittelt werden?

Montag, März 1st, 2010

Diese Frage haben sich die Teilnehmer des Forschungsprojekts Zukünftige Qualifikationserfordernisse bei beruflichen Tätigkeiten auf mittlerer Qualifikationsebene aufgrund der Auswirkungen von Web 2.0, kurz web2skills (www.web2skills.de) gestellt. Auftraggeber dieses Projekts ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Im Rahmen dieses Projekts wurden nun verschiedene Thesen aufgestellt, die mit Experten aus der Praxis überprüft werden sollten.

Wie komme ich nun zu der Ehre, gemeinsam mit den Wissenschaftlern deren Ergebnisse diskutieren zu dürfen? Vor inzwischen mehr als 2 Jahren habe ich hier auf meinem Blog eine etwas umfangreichere Themensammlung zum Thema Web 2.0 unter der Namen Was ist Web 2.0 oder The Good, the Bad and the Ugly veröffentlicht. Auf dieses Dokument wurden nun einige der Mitglieder der oben genannten Forschungsgruppe aufmerksam und fanden das Dokument wohl so interessant, dass sie mich als Experten zu einem Workshop einluden. Das schmeichelt natürlich dem eigenen Ego. In diesem Workshop ging es dann um die Validierung der von der Forschungsgruppe aufgestellten Thesen. Dieses Angebot habe ich gerne angenommen, denn wann hat man schon einmal die Chance, die akademische Aufarbeitung aktueller Phänomene wie Web 2.0 oder Soziale Medien zu diskutieren. Gespannt war ich außerdem auf die anderen eingeladenen “Experten” der Runde.

Von den diskutierten Inhalten möchte ich hier nichts mitteilen, dazu findet sich allerhand auf der begleitenden Webseite des Projekts unter www.web2skills.de sowie der des übergeordneten Programms unter www.frequenz.net. Dort finden sich auch die wissenschaftlichen Teilnehmer der Studie. Sobald ich Informationen darüber erhalten habe, wo die Ergebnisse der Forschung veröffentlicht wurden und gegebenenfalls abrufbar sind, werde ich das natürlich hier über meinen Blog kundtun.

Allerdings möchte ich einige persönliche Eindrücke von der Veranstaltung schildern. Denn die Dimension, welche die Sozialen Medien für jeden von uns einnehmen werden, war mir selbst nicht so bewusst. Und zwar unabh?ngig davon, ob wir aktiv daran teilnehmen oder nicht. So kennt uns die inzwischen weltgr??te Online-Community Facebook auch, wenn wir dort selbst keinen Account haben. So erstaunlich das klingt, aber über den Import z.B. unserer Email-Adressbücher werden auch die Daten von Nichtmitgliedern importiert und in Beziehung zu anderen Personen gesetzt (siehe auch Artikel in der ct 5/2010). Anderes Beispiel: Als Dienstleister (oder Lehrer) wird die Leistung auf Portalen bewertet, von denen wir unter Umst?nden nie gehört haben. So ergibt sich in Zukunft für jeden von uns die Notwendigkeit, mehr oder weniger regelmäßig das Netz nach Daten ?ber uns abzusuchen (Social Media Monitoring).

Auf alle Fälle spielen das Web2.0 eine zunehmend große Rolle bei der Jobsuche, denn Firmen pr?fen Kandidaten nicht mehr nur auf ihre Eignung (Background Checking) sondern gehen ganz gezielt im Netz auf Suche nach Ihrem Wunsch-Mitarbeiter. Daher kann man die Effekte auch umkehren und die Mechanismen des Web 2.0 für seine eigenen Zwecke, sprich für seine Reputation zu nutzen. Es ist allemal besser, selbst aktiv zu werden und seine digitale Identität selbst verwalten und steuern. Das setzt natürlich einige Kenntnisse über die Neuen Medien vorraus. Ob diese geforderte Medienkompetenz allerdings Teil einer schulischen oder beruflichen Qualifikation werden kann, möchte ich bezweifeln, denn die Bedingungen ändern sich so rasant, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass der Umgang mit dem sich ständig weiter entwickelnden Internet als statischer Lerninhalt vermittelt werden kann. Die Frage, wer für die Medienkompetenz von Jugendlichen zuständig sein soll, die Lehrer oder die Eltern, ist immer noch offen, denn meist verfügen die Jugendlichen selbst in diesem Bereich über deutlich mehr Wissen als ihre Vorgängergeneration.

Was bleibt ist Eigeninitiative und ein gewisses Maß Neugier, denn wer in Zukunft diese Werkzeuge für sich und seine Interessen zu nutzen weiß, wird klar im Vorteil sein.