Referenten und Beschreibung des Inhalts zu finden unter:
http://www.medientage.de/kongress/programm/programmdetail.html?panel=103
Kurz gesagt ging es im Onlinegipfel um den Einfluss des Internets auf die Mediennutzung der Deutschen und damit auf die klassischen Medien. Wie ich ja bereits im einführenden Post geschrieben hatte, war dies für mich der Grundtenor der gesamten Veranstaltung.
Aber von Anfang an: Die Keynote (also die Einführungsrede) hielt der Londoner Suranga Chandratillake, Gründer und CEO der Videosuchmaschine blinkx. Ich weiß nicht woran es liegt, aber die Referenten aus dem angloamerikanischen Raum sind einfach begnadete Redner. Kurzweilig und sehr bildhaft versuchte er die aktuelle Situation der klassischen Medien herzuleiten. Er ging zurück in die 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, als das Radio die Medienwelt umkrempelte. Auch damals taten sich vor allem die Zeitungsverleger sehr schwer mit dem neuen Medium, dass mit ihnen um das Publikum konkurrierte. Er sprach vom Radio als der Zeitung, die durch die Mauern kommt (the newspaper through the wall). Jedenfalls sieht Chandratillake Parallelen zu unserer jetzigen Zeit und der Konkurrenz, die das Internet plötzlich den klassischen Medien macht (diesmal auch dem Radio). Der Umgang mit diesem neuen Medium muss schlichtweg erst gelernt werden.
Die Diskussion konzentrierte sich im weiteren Verlauf auf Zeitungsverlage (Tagespresse), die unter dem Verlust von Werbeeinnahmen besonders betroffen zu sein scheint. Jedenfalls haben die Zeitungsverlage durch die für den Nutzer kostenfreie Weitergabe ihrer Inhalte irre Reichweiten erzeugt. Diese Reichweite wird ihnen nun aber nicht in Form von adäquater Werbeeinahmen vergütet. An dem Modell scheint also grundsätzlich etwas nicht zu funktionieren. Diese Kostenlos-Kultur habe ich eh’ nie ganz verstanden. Noch weniger verstehe ich, den Internet-Nutzern ihr Nutzerverhalten nun auch noch vorzuwerfen. Wenn ich irgendwo etwas umsonst bekomme sage ich nicht nein. Meines Erachtens haben sich die Verlage ihre missliche Lage selbst zuzuschreiben.
Als Abonnent der Süddeutschen Zeitung (betrifft eigentlich jede Zeitung oder Zeitschrift, aber die Süddeutsche Zeitung war durch ihren Chefredakteur vertreten) kann ich nicht verstehen, warum ich Nachrichten nur in Form bedruckten Papiers erhalten kann und nicht z.B. auch in Form einer digitalen Version für meinen eReader (ohne gleich noch einen Vertrag mit irgendeinen Netzanbieter schließen zu müssen) oder durch Zugang zu einem geschlossenen Bereich eines Internetportals. Der Vertrag, den ich mit dem Abonnement eingehe, gleicht eher einem Liefervertrag für ein Bündel Papier, statt einem Anspruch auf qualitativ hochwertige Artikel. Die gibt’s derzeit kostenlos im Internet.
Selbst die neuen eReader werden vom Verlagswesen anscheinend als Bedrohung wahrgenommen. Klar ist es ein Problem, wenn sich ein Onlinehändler zwischen Contentproduzent (Zeitung) und Contentnutzer (Leser) schiebt und für die Verbreitung der Inhalte kassiert und die Produzenten außen vor lässt. Diese Entwicklung zeichnet sich ja derzeit mit Amazons eReader Kindle ab, der nur Inhalte über eine von Amazon vorgegebene Plattform erhalten kann. Andererseits ist aber so gut wie keine ernsthafte Initiative zu erkennen, mit der z.B. deutsche (oder auch europäische) Verleger eine Plattform schaffen, über die sie ihre Inhalte auch digital für eReader verbreiten könnten. Europäische Produkte gibt es dagegen mit dem iLiad schon länger bzw. stehen mit dem textr in den Startlöchern.
Genauso wenig nachvollziehbar ist für mich die Angst vor den angeblich mächtigen Suchmaschinen. Sie schaffen derzeit erst den Zugang zu den Inhalten für die breite Masse der Nutzer. Allerdings bröckelt auch diese Vormachtsstellung der Suchmaschinen, denn die Informationssuche der Nutzer findet zunehmend über die sozialen Netzwerke (social communities) statt.
In der Diskussion hatte mir ehrlicherweise nur Axel Schmiegelow gefallen. Während alle anderen Diskussionsteilnehmer überspitzt dargestellt Zwangsabgaben ähnlich dem öffentlich-rechtlichen Gebührenmodell, ein Leistungsschutzrecht oder schlichtweg Verbote der Nutzung ihrer Inhalte forderten, rief er die Anwesenden zu mehr Ideen und Innovation auf. Firmen wie Google oder Amazon wegen ihrer smarten und erfolgreichen Geschäftsmodelle zu verurteilen und zu verteufeln kann nicht die Lösung der aktuellen Krise bringen. Außerdem nannte er aus der Verlagsbranche zwei erfolgreiche, und sehr traditionsreiche Beispiele, die den Übergang ins Internetzeitalter geschafft haben: das Wall Street Journal und der Economist.
Die nächsten Jahre bleiben spannend, auch für uns als Medien- und Internetnutzer. Jedenfalls war in den Veranstaltungen, die ich besuchte, von MUT nicht viel zu spüren. MUT stand für Medien und Transformation und war der Untertitel der diesjährigen Medientage München.

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