Seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahre 2001 hört man kaum mehr den Begriff Old Economy. Das finde ich schade, denn ich finde diesen Begriff immer noch passend, wenn es darum geht, Firmen zu beschreiben, deren Geschäftsmodell sich noch ohne den Einfluss des Internets entwickelt hat. Spannend finde ich vor allem, wie diese Firmen sich nun durch das Internet verändern.
Gestern fiel mir eine Meldung der Onlineversion der Financial Times Deutschland (ftd.de) ins Auge, dass die Allianz den Betrieb ihres Onlinevertriebs Allianz24 auf Druck ihrer Vermittler einstellen wird. Ich bin mir sicher, dass die Allianz einen Weg finden wird, trotzdem am Onlinegeschäft teilzunehmen, unter welchem Namen auch immer. Trotzdem fällt das Beharrungsvermögen solcher bestehender Vertriebsstrukturen auf, gegen die selbst eine Allianz scheinbar nicht machtlos ist.
Ein anderes Beispiel ist Quelle. Als klassischer Versandhandel wäre die Firma eigentlich prädestiniert für das Internet-Zeitalter. Alle Prozesse sind (oder sollten) perfekt für einen Onlinevertrieb passen. Aber da scheint jemand etwas ganz gehörig verschlafen zu haben, denn Quelle gehört mit zu den Firmen, die nun mit Steuergeldern künstlich am Leben gehalten werden.
Aber es gibt auch Beispiele, die nicht nur den Wechsel in das Internet-Zeitalter gemeistert haben, sondern davon auch mächtig profitieren. Auf einem Kongress im Frühjahr (emetrics summit in München) hatte ich einen Vortrag aus dem Hause Baur gelauscht. Ähnlich zu Quelle erwirtschaftet dieser frühere, traditionsreiche Katalogversender nun den größten Anteil über seinen Onlinevertrieb. Darf man den Aussagen des Referenten glauben schenken, dann entwickelt sich das Geschäft über das Internet prächtig. Baur, so scheint es, hat den Übergang zum großen Onlineshop geschafft.
In der Ausgabe der WuV (Werben und Verkaufen) Nr. 24 vom 12 Juni 2009, dem Fachblatt der Werbebranche hatte ich kürzlich ein Interview mit Konstantin Sixt gelesen. Dieser hat den Onlinebereich des bekannten Autovermieters aufgebaut. Nach seinen Aussagen von macht dieser Vertriebsweg bei Sixt inzwischen 40 bis 50% des Gesamtgeschäfts aus. Im Privatkundenbereich werden anscheinend sogar 60 % Anteil am Geschäft über das Internet erreicht.
Es gibt also Beispiele von Firmen, die das Internet nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen und inzwischen gutes Geld damit verdienen. Die immensen Summen an Steuergeldern, die derzeit in Firmen gepumpt werden, deren Management-Etagen diese Entwicklung schlichtweg verschlafen haben, werden meiner Ansicht nach in anderen Bereichen viel dringender benötigt. Wie wäre es zum Beispiel mit Bildung und Forschung?