Wer Podcasts hört bekommt unweigerlich die Diskussion über die Möglichkeiten zur Vermarktung von Podcasts mit. Dabei geht es darum, wie man seinen Podcast zu Geld machen kann, neudeutsch ihn zu monetarisieren. Kann man vom eigenen Podast vielleicht sogar leben? Alle Träumer dieser Welt holt Alexander Wunschel schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, denn in seiner aktuellen Episode des Blicks über den Tellerand (Blick 213) leitet er einen Wert für eine Stunde Aufmerksamkeit eines Mediennutzers her. Er kommt dabei auf einen erstaunlich geringen Betrag, nämlich gerade mal ganze 20 Cent (also 0,20 Euro).
Damit relativieren sich die Einnahmemöglichkeiten über Werbeeinblendungen in Podcasts. Beispielrechnung: Eine 30ig-minütige Episode mit 1.000 Downloads käme so auf 500 Stunden Aufmerksamkeit. Dies entspräche einem monetären Wert von 500 x 0,20 Euro = 100,- Euro. Und selbst dieser Wert dürfte eher theoretischer Natur sein, denn man muss für einen Podcast mit durchschnittlich 1.000 Hörern pro Episode erst einmal einen Werbepartner finden.
In diesem Beitrag geht es mir allerdings weniger darum, wie Alexander Wunschel auf diesen Wert kommt bzw. ob dieser überhaupt realistisch ist. Das kann er selbst besser – und auch plausibler – erklären. Mir geht es eher um eine grundsätzlichere Frage: warum möchte man überhaupt mit seinem Podcast Geld verdienen? Zum Beispiel durch Werbeeinblendungen oder durch bezahlte Downloads?
Ich sehe den Wert von Podcastproduktionen ganz woanders:
- Einfach nur Spaß. In der gesamten Diskussion fehlt mir immer der Aspekt Spaß. Wer einen Podcast nur produziert, weil er meint, mit Werbeeinnahmen nach der dritten Episode seines Podcasts Geld verdienen zu können, sollte es besser wieder lassen. Ein Schluss, zu dem auch Annik Rubens (Schlaflos in München) in einem Interview mit Jan Tißler kommt. Das Interview ist schon ein, zwei Jahre her und ich konnte die Episode in Jan Tißlers Online-Magazin leider nicht mehr finden (upload-magazin.de/podcast/).
- Neue und nützliche Kontakte. Wer auch immer über ein spezielles Thema, z.B. ein Hobby, einen Podcast produziert, hat über dieses Medium die Chance, sehr viele Gleichgesinnte um sich zu scharen und diese Kontakte auch zu pflegen. Der Podcast lässt sich außerdem durch entsprechende Gruppen in den bekannten sozialen Netzwerken ergänzen, so dass die Veröffentlichung von Podcasts keine Kommunikation in nur eine Richtung bleiben muss.
- Selbstvermarktung. Sollte das Thema nicht gerade die Zucht von Kaninchen sein sondern aus einem professionellen Bereich stammen, so gibt es derzeit wohl kaum einen einfacheren Weg sich selbst als Experten für ein bestimmtes Themengebiet zu etablieren (außer man erzählt nur Blödsinn, dann ist der Ruf wohl schnell dahin). Ein Beispiel dafür sind die Wordnerds, drei Lehrer, die seit über drei Jahren einen Podcast zur englischen Sprache veröffentlichen.
- Kunden- und Auftragsakquise. Schafft man es, über einen langen Zeitraum eine hohe Qulaität der Inhalte zu liefern, un das auch einigermaßen regelmäßig, besteht durchaus die Möglichkeit, einem Podcast zu Geld zu machen. Eine hohe Bekanntheit in einer Branche oder Expertise in einem Fachgebiet wird einem manche Türe öffnen und für Aufträge sorgen. Beste Bespiele sind wiederrum Alexander Wunschel mit seinem Blick über den Tellerrand zu Onlinemarketing, aber auch Chris Marquardt mit seinen Podcasts Happy Shooting (deutsch) und Tips from the Topfloor (englisch) zur digitalen Photographie. Hervorragende Beispiele dafür, was man mit Podcasts erreichen kann. Aber nur, und das ist schlechte Nachricht, wer über Jahre ein hohes qualitatives Niveau halten kann und seinen Podcast professionell vermarktet.
Meiner Ansicht nach liegt der Gewinn, den man mit einem Podcast erzielen kann, also ganz woanders als in der direkten Vermarktung. Es spricht natürlich nichts dagegen, über Werbefinanzierung den ein oder anderen Euro hinzu zu verdienen und so z.B. seine Kosten für die notwendige Infrastruktur zu decken. Mehr dürfte aber nicht drin sein.
Hi, vielen Dank für den Link auf UPLOAD. Das Gespräch mit Annik Rubens findest Du hier.