Was

Prognosen und Vorhersagen von Experten – oder Leuten, die sich dafür halten – gibt es zuhauf. Aber wie wird sich das Internet tatsächlich weiterentwickeln? Zahlreiche Journalisten hatten z.B. vor ungefähr ein, zwei Jahren prophezeit, dass das Internet durch virtuelle Welten wie Second Life abgelöst wird. Wir wissen alle, dass diese Vision nicht eingetreten ist und es dürfte so schnell wohl auch nicht passieren.

Aber wo geht es mit dem Internet hin? Unter all den Prognosen und Aussichten, die ich in letzter Zeit gehört/gelesen habe, ist bei mir eine hängengeblieben, die mir sehr plausibel erscheint: das life web oder realtime web. Ins Deutsche kann man den Begriff mit Echtzeit-Internet übersetzen. Aber was soll das sein?

Zahlreiche Web 2.0-Anwendungen haben die Menge an Informationen, die uns ständig erreichen, ins Unermessliche gesteigert. Das Problem ist bei Emails schon länger bekannt, denn man kann den kompletten Tag damit verbringen, Emails zu beantworten. Mit Anwendungen wie Social Communities (Business oder privat), Blogs, Podcasts und mehr noch mit Tools wie Twitter oder Friendfeed hat man keine Chance mehr, die eingehenden Nachrichten zu verfolgen.

Wie gehen die Menschen damit um? Die Antwort ist einfach: gar nicht. Um der Informationsflut Herr zu werden hat man nur die Chance, sie zu ignorieren. Wer kurz pausiert, kann das Verpasste nicht mehr aufarbeiten. Wozu auch? In den neuen Tools findet die Kommunikation nur noch in Echtzeit statt. Ist man online, nimmt man daran teil. Ist man offline, ignoriert man das, was man verpasst hat. Wer den Versuch startet, Vergangenes wie Blogeinträge oder ältere Episoden eines Podcast nachzulesen bzw. nachzuhören ist verloren. Wer am Ball bleiben möchte, konzentriert sich auf das, was gerade passiert.

Vorbild für dieses Verhalten sind für mich die virtuellen Welten. Man meldet sich an und nimmt mit seinen Avatar an allerlei Veranstaltungen teil. Meldet man sich ab wieder ab, ist man auch nicht mehr dabei. Treffen anderer, an denen man nicht teilgenommen hat, spielen für eine selbst keine Rolle mehr. Fast schon wie im richtigen Leben, wer liest schon (freiwillig) die Protokolle von Meetings, an denen er nicht teilgenommen hat?

Eine spannende Diskussion zum dem Thema zwischen den Showhosts Leo Laporte, Amber MacArthur und ihrem Gast Robert Scoble findet sich in der Episode 81 des frei verfügbaren Podcasts Net@Night.


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