Archive for Oktober, 2007

Prosumer bauen Community

Dienstag, Oktober 30th, 2007

Einer der erstaunlichsten Tatsachen über Second Life ist, dass die Virtuelle Welt fast ausschließlich durch ihre Bewohner erschaffen wurde. Die Fa. Linden Labs stellt lediglich die technische Infrastruktur zur Verfügung. Alle in der Welt erschaffenen Objekte bleiben im Besitz ihres Erschaffers und dürfen dort auch gehandelt werden. Ein Grund für den enormen Erfolg von Second Life.

Damit ist Second Life eines der konsequentesten Beispiele für einen neuen von Don Tapscott in seinem Buch Wikinomics proklamierten Typus Firma. Die Kunden sind nicht mehr nur passive Nutzer eines Produkts, sondern sind aktiv an der Erstellung und Entwicklung beteiligt. Tapscott hat dafür den Begriff Prosumer eingeführt eine Kombination aus Produzent (Producer) und Konsument (Consumer).

Einen ähnlich konsequenten Weg möchten nun die Betreiber der Social Community Facebook gehen: durch die Bereitstellung von offenen Schnittstellen können die User nun eigene Anwendungen für die Plattform kreieren und anderen Mitgliedern zur Verfügung stellen. Da dies durchaus kostenpflichtige Dienste sein können, eröffnen sich zahlreiche Chancen für neue Geschäftsmodelle.

Die Anwendung bleibt Eigentum des Produzenten, der damit allerdings mit dazu beiträgt, dass der Funktionsumfang von Facebook stetig zunimmt. Diese Art des Crowdsourcing dürfte binnen kurzer Zeit für Facebook einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Communities bringen. Weitere Infos gibt es unter http://developers.facebook.com/.

Achtung: die Investoren sind zurück!

Freitag, Oktober 26th, 2007

Wird Web2.0 zur Blase 2.0? Nachdem ich einige Meldungen und Artikel über den vergangenen Web 2.0 Summit in San Franzisko gelesen habe, habe ich den Eindruck, dass sich Investoren wieder blind auf das Internet stürzen. Mit der naiven Erwartung der Finanzbranche auf unendliches Wachstum (und Rendite) wird die Stimmung wie in Zeiten der Blase 1.0 – auch new economy genannt – wieder so richtig angeheizt.

Einen ernüchternden und enttäuschten Erfahrungsbericht über die vergleichbare Zeit des Web 1.0 zum Ende des letzten Jahrzehnts liefert Paulus Neef, Mitgründer des früheren deutschen Vorzeigeunternehmens Pixelpark. Zu finden ist sein Bericht im Artikel Elementarteilchen des Wirtschaftsmagazins brand eins (Heft 02, 2007). Zu diesem Thema unbedingt lesenswert!

Demographische Entwicklung und Web2.0

Dienstag, Oktober 23rd, 2007

In einer Pressemitteilung vom 16. Oktober 2007 berichtet TNS Infratest über die Nutzung von Web 2.0 Technologien in den unterschiedlichen Altersgruppen. Auffallend dabei ist, das die jüngere Generation (unter 40 Jahren) deutlich aktiver Inhalte produziert als die ältere Generation über 40. Dagegen werden die Inhalte über alle Generationen gleich genutzt. Damit hat sich laut TNS Infrastest zum ertenmal in der Geschichte der Menschheit eine Änderung des Verhaltens ergeben: Es geben nicht mehr die älteren ihr Wissen und ihre Erfahrung an die Jüngeren weiter, sondern der Transfer an Informationen läuft nun in die andere Richtung, von Jung nach Alt.

Verschiedenen anderen Studien zufolge (siehe Wikinomics von Dan Tapscott und Anthony D. Williams) dürfte sich dieses Gefälle noch verstärken: die heute 12 bis 19-jährigen Nordamerikaner (die N-Geners) wachsen mit Web2.0 auf und nutzen dieses mit einer bisher nicht vergleichbaren Offenheit und Intensität. So beziehen die Kids ihr Wissen heute eher von Gleichaltrigen über das Internet statt von Eltern und Lehrern. Welche gesellschaftlichen Konsequenzen das haben wird, ist dabei noch nicht absehbar. Die Autoren kündigen eine wirtschaftliche und soziale Revolution an.