Zur Zeit kann man den Abgesang auf Second Life verfolgen. Nach der absoluten Euphorie über die 3D-Welt um den vergagenen Jahreswechsel herum und der anschließenden Welle von Meldungen über Schmuddelkram jedweder Art folgt nun eine Grabesrede auf die andere. Beklagt wird einerseits der angeblich große Anteil von Benutzern, die sich nur einmal, dann aber nie wieder in Second Life angemeldet haben. Andererseits sind diejenigen Benutzer, die als “aktiv” gelten können, kaum empfänglich für die Aktionen der verschiedenen Firmen. Verwaiste Inseln sind die Folge. Auch der interne Handel innerhalb von Second Life scheint nicht so florieren, wie sich das manche erhofft hatten. Ganz groß ist natürlich die Enttäuschung bei denjenigen, die mal wieder hofften, ohne viel eigenes Zutun schnell reich zu werden.
Da die meisten Berichterstatter voneinander abschreiben, habe ich mal versucht, den Ursprung des Abgesanges aufzuspüren. Ich vermute, das dürfte ein Artikel der Los Angeles Times sein: Virtual marketers have second thoughts about Second Life. Dieser Artikel schildert die Ernüchterung, die bei vielen Firmen eingekehrt ist, dass ihre Inseln meist verwaist sind. Die Avatare ihnen also nicht Bude einrennen und die virtuellen Regale leerkaufen. Dem Artikel nach sind die am häufigsten gehandelten Güter Genitalien.
Genannt werden zahlreiche Firmen wie Sun Microsystems Inc., Dell, Best Buy, Starwood Hotels, American Apparel oder Nissan, die sich entweder entäuscht aus Second Life zurückziehen oder – wie im Falle Sun Microsystems und Nissan – versuchen, ihre Marketingaktionen dem Charakter der 3D-Welt anzupassen.
Aber: Totgesagte leben länger.