Archive for Juli, 2007

War’s das mit den virtuellen Welten?

Freitag, Juli 27th, 2007

Zur Zeit kann man den Abgesang auf Second Life verfolgen. Nach der absoluten Euphorie über die 3D-Welt um den vergagenen Jahreswechsel herum und der anschließenden Welle von Meldungen über Schmuddelkram jedweder Art folgt nun eine Grabesrede auf die andere. Beklagt wird einerseits der angeblich große Anteil von Benutzern, die sich nur einmal, dann aber nie wieder in Second Life angemeldet haben. Andererseits sind diejenigen Benutzer, die als “aktiv” gelten können, kaum empfänglich für die Aktionen der verschiedenen Firmen. Verwaiste Inseln sind die Folge. Auch der interne Handel innerhalb von Second Life scheint nicht so florieren, wie sich das manche erhofft hatten. Ganz groß ist natürlich die Enttäuschung bei denjenigen, die mal wieder hofften, ohne viel eigenes Zutun schnell reich zu werden.
Da die meisten Berichterstatter voneinander abschreiben, habe ich mal versucht, den Ursprung des Abgesanges aufzuspüren. Ich vermute, das dürfte ein Artikel der Los Angeles Times sein: Virtual marketers have second thoughts about Second Life. Dieser Artikel schildert die Ernüchterung, die bei vielen Firmen eingekehrt ist, dass ihre Inseln meist verwaist sind. Die Avatare ihnen also nicht Bude einrennen und die virtuellen Regale leerkaufen. Dem Artikel nach sind die am häufigsten gehandelten Güter Genitalien.
Genannt werden zahlreiche Firmen wie Sun Microsystems Inc., Dell, Best Buy, Starwood Hotels, American Apparel oder Nissan, die sich entweder entäuscht aus Second Life zurückziehen oder – wie im Falle Sun Microsystems und Nissan – versuchen, ihre Marketingaktionen dem Charakter der 3D-Welt anzupassen.

Aber: Totgesagte leben länger.

Die Zukunft der 3D-Welten

Montag, Juli 2nd, 2007

3D-Welten – allen voran Second Life – werden derzeit als das Modell für die Zukunft des Internets gehandelt. Aber eine Voraussetzung dafür, dass diese Vision zur Realität wird, werden offene Schnittstellen sein. In der neuesten Ausgabe der Technology Review schreibt Gregor Honsel darüber, wie sich die virtuellen Welten öffnen müssen, damit sie sich flächendeckend durchsetzen können werden (Reisefreiheit für Avatare, TR 07/2007).

Solange das Wohl jeder einzelnen künstlichen Welt auf Gedeih und Verderb von einer – oft nur kleinen – Firma abhängt, werden sich viele Unternehmen scheuen, größere Summen zu investieren. Ähnliches gilt für die Spieler/User dieser Welten, wenn das digitale Alter Ego bzw. die virtuellen Besitztümer an ein bestimmtes Produkt oder ein bestimmtes Spiel gebunden sind, werden die Menschen zu große Aufwände (Geld oder Zeit) vermeiden. Honsel vergleicht die Situation mit dem Beginn des Internets überhaupt: angefangen hat es mit geschlossenen Diensten wie AOL oder T-Online. Den kommerziellen Durchbruch allerdings schaffte die Technologie erst mit der Unabhängigkeit des World Wide Web von diesen Anbietern. Eine ähnliche Entwicklung sieht er demnach für die 3D-Welten voraus.