Referenten und Beschreibung des Inhalts:
http://www.medientage.de/kongress/programm/programmdetail.html?panel=406
Seit Jahren werden Geschäftsmodelle diskutiert, wie man mit Social Communities Geld verdienen kann. So ganz klar scheint das in Deutschland noch nicht zu sein. Neben der offensichtlichen Einnahmequelle Werbung zeichnen sich Möglichkeiten sowohl für E-Commerce als auch im Handel mit virtuellen Gütern ab. Vor allem letzteres spielt vor allem im asiatischen Raum eine große Rolle. Eine Sonderrolle nimmt in Deutschland das Business-Netzwerk Xing ein. Xing hat es entgegen dem Trend geschafft, mit einem Abo-Modell schwarze Zahlen zu schreiben (und das fast von Anfang an!). Ein wetierer Erfolgsfaktor von Xing liegt wohl auch in der hervorragenden Verbindung der On- zur Offline-Welt. Ein Aspekt, den andere Netzwerke immer noch vernachlässigen.
Vor allem bei den virtuellen Gütern hinken die deutschen Communities den internationalen Mitbewerbern hinter her. Neben digitalen Schwertern des Spiels World of Warcraft oder die neueste Mode in Second Life zählen zu den virtuellen Gütern übrigens auch Services und Anwendungen (neudeutsch Apps), welche in oder über die sozialen Netze eingekauft werden können. Einige der Referenten vertraten in der Diskussion deutsche Netzwerke wie StudiVZ oder Wer kennt wen?. Sie gaben unumwunden zu, die Entwicklung offener Schnittstellen zu ihren Netzen vernachlässigt zu haben und verloren so Boden (sprich Marktanteile) gegenüber den ausländischen Mitbewerbern – allen voran Facebook.
Kurze Erwähnung fand übrigens auch Second Life. Aktuell in den Medien kaum zu finden wächst die 3D-Community langsam aber sicher weiter. Es nehmen nicht nur die Nutzerzahlen zu , sondern vor allem der Umsatz der Linden. Totgesagte leben länger!
Äußerst bemerkenswert finde ich übrigens die Rolle, die Communities für ihre Nutzer zur Informationssuche spielen. Im Rahmen der Diskussion wurde die Zahl von 40% Anteil an der Informationsbeschaffung im Netz genannt, den Social Networks bereits heute haben. Und dieser Anteil wird wachsen, ganz klar zu Lasten der Suchmaschinen. Hier wird dürfte es in den nächsten Jahren ein Wechsel vom Suchmaschinenmarketing (inklusive des großen Marktes der Suchmaschinenoptimierer) hin zum Aufmerksamkeits- und Empfehlungsmarketing geben. Wie immer dieses aussehen mag, vielleicht eine Art Affiliatemarketing im kleinen Kreis? Nichts ist mehr wert als eine Empfehlung aus dem Bekanntenkreis. Ich in gespannt, welche Konzepte sich in den einzelnen Communities entwickeln bzw. sich durchsetzen werden. So nutzen einige Firmen bereits Fanseiten auf Facebook oder Myspace, um Subcommunities um ihre Produkte herum aufzubauen. Als Beispiele wurden Brands4Friends oder Haribo genannt. Das Einrichten solcher Firmen-Fanseiten lassen sich die Community-Betreiber natürlich bezahlen und haben so tatsächlich eine neue Einnahmequelle entdeckt.
Ich bin da ja etwas altbacken und glaube, dass gute Produkte oder gute Dienstleistungen die größten Vorteile in sozialen Netzen haben werden. Ganz im Sinne des Cluetrain Manifesto und damit auch im Sinne des Kunden.
Ein weiteres Problem für Communities dürfte die schwache Bindung der Mitglieder zu ihrer Community sein. Viele von uns haben ihr Profil bereits bei mehreren Netzwerken hinterlegt und wechseln zwischen diesen Welten. Bestes Beispiel sind die Business-Netzwerke Xing und LinkedIn. Nicht wenige meiner Bekannten pflegen auf Xing ihr deutsches und auf LinkedIn ihr englisches Profil. Damit werden die Plattformen beliebig austauschbar und sind der Gunst ihrer Mitglieder ausgeliefert. (Warum gibt es eigentlich nicht die Möglichkeit, sein Profil gliech in mehreren Sprachen zu pflegen?)
Ein Aspekt, der in der Diskussion zu Tage kam und mir bisher so nicht bewusst war, ist die Tatsache, dass mit dem Erfolg meist nordamerikanischer Unternehmen im Markt der Suchmaschinen und Communities ein nicht unbeträchtlicher Teil der Werbeausgaben (auch Spendings genannt, die Werbeleute sind was die Verwurstelung der Sprache angeht nicht weniger grausam als IT-ler) ins Ausland abfließt, statt wie bisher der einheimischen Werbewirtschaft zu Gute kommt. Daher auch der Aufruf einiger Diskussionsteilnehmer an Verleger und Investoren, weiterhin im Markt der einheimischen Communities aktiv zu bleiben und damit einem weiteren Abwandern von Kapital ins Ausland entgegenzuwirken. Bekanntere Beispiele sind unter anderem StudiVZ, SchülerVZ, Lokalisten oder Wer-kennt-wen.
Was ich nicht ganz nachvollziehen konnte, war die Aussage, dass die Communities in direkter Konkurrenz zu den klassischen Medien und dem professionellen Journalismus stehen sollen. Ich sehe eher das Gegenteil, denn Communities ergänzen meiner Ansicht nach die klassischen Medien hervorragend. Aber da überwiegen wohl noch die Berührungsängste. Mehr zu dem Thema in meiner Zusammenfassung zum Onlinegipfel.
Übrigens hatte ich hier vor fast zwei Jahren schon einmal einen Beitrag zu dem Thema gepostet: Wie verdient man mit einer Social Community Geld?
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